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08 March 2009

Elias Wundersam: Wie man Kunst zu Tode kuratiert…



Wir verdanken es der gegenwärtigen Struktur des Kulturbetriebssystems, dass die „freien Künste“ in knapp 30 Jahren zu Dienstleistungen der freien Marktwirtschaft einerseits und zu verwaltbaren Kuratorien der Qualitätskontrolle anderseits, umsegmentiert wurden.

Unter der Künstlerschaft trauten sich zuerst Einige, später nur noch Wenige hinter die Barrieren des offiziellen Kurses. Inoffizielle und autonome Destinationen künstle-rischer Unabhängigkeit waren riskant, denn Geschäftsleute, Experten und Verwalter sicherten mit Zulassungskriterien den gewünschten Verlauf des Kunstbetriebs, indem sie durch Anerkennung und Disqualifikation den „Gang der Dinge“ kontrollierbar machten. Ausserdem schürte ein elitärer, neuinszenierter Wind in Medienhäusern und Kulturinstituten, unter den Kunstschaffenden die Hoffnung auf internationalen Erfolg.

Mit der Erhöhung der Erfolgschancen und der Möglichkeit die Nutzung von Beziehungskanälen als Fahrgelegenheit und Vermittlungsschiene, auch mit Anschluss zu elektronischen Verbindungsnetzen, für sich mobil zu machen erhielt das Künstler-image kalkulierbare Dimensionen. Dies äusserte sich bald auch in der Bereitschaft, ein professionelles Profil durch Anpassung zu entwickeln...
Die Anwärterscharen liessen sich bei der Durchschleusung im Marketing-Karriere-Fleischwolf gern freiwillig selbst verwursten. Das Kulturkarussel glitzernder Super-Stars und Glamourzugpferde begann sich auf globalem Schauplatz, im Wirbel des Medienrummels zu drehen.



So war es absehbar, dass durch die permanenten Weichenstellungen der Betriebs-Funktionäre, häufig Laufbahn-Kollisionen verursacht wurden, wodurch andererseits „unerwünschte“ Beteiligte ausschieden bzw. regelrecht aus der Bahn geschleudert wurden. Entschlossen arbeitete man im Kreis der Verantwortlichen und Fachleute,
für die Aufgleisung von innovativen Sonderschnellzügen, aber auch von nostalgischen Vetterli-Brötlibahnen, wodurch man das Dienstleistungsangebot, sowohl für die spezialisierten Bedürfnisse der Fachkreise, als auch für den eher traditionellen Geschmack eines breiten Publikums, gewährleisten konnte.
Es wurden Reiseangebote zu anerkannten Kultur-Highlights und internationalen Ausstellungs-Metropolen lanciert. Auch sollten fortan Profilierungs-Wettbewerbe nurmehr intern ausgeschrieben werden, zur Förderung nur des „Allerbesten“ eingerichtet werden. Dass sich die Künste so, auf hohem Niveau stabilisiert, in definierten Bahnen fortbewegten, hierdurch in gebräuchlicher, GANGbarer Art und Richtung entwickeln mussten, war absehbar...

Der Gang der Dinge nahm also den gewünschten Lauf...

Wenn man diesen Vorgang allerdings genauer unter die Lupe nimmt, wird einem beim Wort GANG auch einmal die englische Wortbedeutung in den Sinn kommen.
Hier heisst GANG soviel wie „Verbrecherbande“ und im Wort Gängelung steckt Bekanntlich auch Bevormundung, Manipulation !




Tatsächlich knüpft sich in den subventionierten Kulturinstituten eine Art Bandage, ein Band der Bevormundung, ein Gängelband, das die Produktion und Konsumtion der Künste instrumentalisiert und sie dauerhaft und individuell in ihren medialisierten Rollenfunktionen einbindet. Dieser Zustand veranlasste vor Jahren schon Kunstschaffende zur Auswanderung ins „Liberalium Artium –EXIL“, wo die souveränen, uneingeschränkten Bedingungen der Produktivität fortbestehen.

Auf der anderen Seite begrüsst der „Concours officiel“ mit seinen attraktiven Ka-rierebedingungen weiterhin dienstleistungsmotivierte Teilnehmer, aus deren munterer Schar jährlich die besten Rennpferde ermittelt, auf die Rennbahn geschickt werden.

Versteht sich, dass das Establishment der Sammlerguilde und Financiers von jeher ein Interesse daran hatten, dass derVorstand und die Fachleute von Museumsgesellschaf-ten und Kunstvereinen in ihren Programmen eine tadellose Künstlerelite präsentieren. die über ein entsprechendes Potenzial verfügt, das zur Herstellung künftiger Wert,-und Prestige-Anlagen, als auch in Bezug auf repräsentative und staatliche Image-pflege entsprechend geeignet ist.

Womit klar gesagt wäre, was viele Künstlerinnen bis heute veranlasst ihren Schaffensprozess so zu disziplinieren, dass die Chance in den Kreis der Auserwählten aufgenommen zu werden, zumindest in Takt bleibt. Man hält sich eben an die Spielregeln, die da etwa lauten : „shut up and work !“ oder gar: „Krieche und schleime“.
Die alten Erziehungsmassnahmen. „Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, werden im neuzeitlichen Ton durch Teilnahme-Bedingungen ersetzt.

Bestaunen wir also weiterhin ein Kulturkarussel, das zum Manipulationslabor von Kapital und Kuratorium umfunktioniert , lustig vor sich hin trällert...? Der Reigen der Anerkannten dreht sich bunt austaffiert als besitzbare Rösslein vor aller Augen. Es lädt ein zum Einstieg und zur Verköstigungsfahrt des infantilen Genusses der Orbitalen Umdrehungen und Verdrehungen der Kunst. Für den garantierten Erfolg dürfen ihre Erzeuger bestenfalls noch gute Pausennarren und Jongleure von Beliebigkeiten sein, die sie umgesetzt in Marotten, Fetische und Leckerbissen von Medien und Managern vermarkten lassen dürfen...

Die Begeisterung des Publikums für ökonomische Boni-Träger und Status-Symbole nimmt jedoch ab, es ist desshalb fraglich ob der Run auf kulturelle Hochburgen der kapitalistischen Ideologie,tatsächlich noch lange Bestand haben wird. Wir dürfen also gespannt sein, auf das was die offiziell„schweigenden Lämmer“ der letzten 30 Jahre Kunst,-und Kulturentwicklung, bei einer Wende und beim Drehen des Windes, doch noch von sich geben werden, verständlicherweise erst dann wenn plötzlich neue Werte und eine andere Richtung der Entwicklung, Gültigkeit haben werden.

Holland Cotter: The Boom Is Over. Long Live the Art!


In the New York Times.
"Anyone with memories of recessions in the early 1970s and late '80s knows that we've been here before, though not exactly here."

"I'm not talking about creating '60s-style utopias; all those notions are dead and gone and weren't so great to begin with. I'm talking about carving out a place in the larger culture where a condition of abnormality can be sustained, where imagining the unknown and the unknowable -- impossible to buy or sell -- is the primary enterprise. Crazy! says anyone with an ounce of business sense.
Right. Exactly. Crazy. "

"Every year art schools across the country spit out thousands of groomed-for-success graduates, whose job it is to supply galleries and auction houses with desirable retail. They are backed up by cadres of public relations specialists — otherwise known as critics, curators, editors, publishers and career theorists."

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The Article:

LAST year Artforum magazine, one of the country's leading contemporary art monthlies, felt as fat as a phone book, with issues running to 500 pages, most of them gallery advertisements. The current issue has just over 200 pages. Many ads have disappeared.

The contemporary art market, with its abiding reputation for foggy deals and puffy values, is a vulnerable organism, traditionally hit early and hard by economic malaise. That's what's happening now. Sales are vaporizing. Careers are leaking air. Chelsea rents are due. The boom that was is no more.

Anyone with memories of recessions in the early 1970s and late '80s knows that we've been here before, though not exactly here. There are reasons to think that the present crisis is of a different magnitude: broader and deeper, a global black hole. Yet the same memories will lend a hopeful spin to that thought: as has been true before, a financial scouring can only be good for American art, which during the present decade has become a diminished thing.

The diminishment has not, God knows, been quantitative. Never has there been so much product. Never has the American art world functioned so efficiently as a full-service marketing industry on the corporate model.

Every year art schools across the country spit out thousands of groomed-for-success graduates, whose job it is to supply galleries and auction houses with desirable retail.

Read the complete article here.

10 September 2007

Hat immer noch Recht



Jens Hoffmann hat das letztes Mal in seiner Zeichnung oben diese Idee vorgeschlagen. Er hat immer noch recht. Documenta, wie es jetzt aussieht, solltest aufhören, einen oder eine Nicht-Consens-Curator-In finden, und/oder einen oder eine Künstler-In (Nicht Consensus Typus) als Leiter anstellen.

01 July 2007

Neues Führungsteam für die Art Basel


Ab 1. Januar 2008 wird ein neues Führungsteam die internationalen Kunstmessen Art Basel und Art Basel Miami Beach leiten. Unterstützt von einer internationalen Findungskommission hat die Messe Schweiz die Nachfolge des bisherigen Direktors Sam Keller geregelt: Cay Sophie Rabinowitz, Annette Schönholzer und Marc Spiegler werden gemeinsam die Führung übernehmen. Cay Sophie Rabinowitz wird die künstlerische Leiterin, Annette Schönholzer wird verantwortlich für Organisation und Finanzen und Marc Spiegler wird zuständig für Strategie und Entwicklung sein. Die Verstärkung der Managementkapazitäten soll die Art Basel künstlerisch, organisatorisch und strategisch stärken, ihre Weiterentwicklung fördern und eine persönliche Betreuung von Galerien, Künstlern, Sammlern, Museen, Medien, Sponsoren und anderen Partnern sicherstellen.

Eine internationale Findungskommission hat seit Jahresbeginn an der Einladung und Beurteilung von geeigneten Kandidaten gearbeitet. Unter dem Vorsitz von Dr. Cyrill Häring, Präsident Rekurskommission Art Basel gehörten ihr folgende Mitglieder an: Rolando Benedick, Chairman Manor Basel; Ulla Dreyfus, Kunstsammlerin Basel; Sara Fitzmaurice, Präsidentin Fitz+Co New York; David Juda, Owner Annely Juda Fine Art London; Marc Payot, Partner Hauser+Wirth Zürich/London; Beatrix Ruf, Direktorin Kunsthalle Zürich. Die Messe Schweiz hat ihre Personalentscheidung auf die Empfehlungen dieser Findungskommission gestützt.

Cay Sophie Rabinowitz, 1965 in den USA geboren, ist verheiratet und lebt in New York und Berlin. Sie studierte Literaturwissenschaft am Reed College und an der Emory University und war von 1995 bis 1996 mit einem Austauschprogramm des DAAD an der Hochschule der Künste in Berlin. Von 1996 bis 2003 kuratierte sie verschiedene Ausstellungen in Museen und Galerien. Seit 1996 ist sie ein Contributing Editor für die Kunstzeitschrift Art Papers und hat zahlreiche Katalogtexte und Magazinbeiträge zu zeitgenössischer Kunst für führende internationale Kunstzeitschriften sowie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Financial Times geschrieben. Seit 1999 leitet sie die amerikanische Redaktion der renommierten Schweizer Kunstzeitschrift Parkett und ist Professorin an der Parsons New School for Design. Annette Schönholzer, geboren 1964, ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin und lebt in Basel. Sie studierte von 1987 bis 1994 in Zürich Anglistik, Filmwissenschaften und Germanistik. Im Jahr 2000 schloss sie das Studium am Internationalen Zentrum für Kultur & Management (ICCM) in Salzburg mit einem MAS ab. Von 1994 bis 1998 war sie Programmkommissionsmitglied und Kuratorin des Internationalen Film-, Video- und Multimedia- Festivals VIPER. Sie war in verschiedenen öffentlichen und privaten Kulturförderungsinstitutionen tätig, zuletzt von 1997 bis 2001 als Co-Leiterin der Fachstelle Kultur des Kantons Aargau. 2000 bis 2002 war sie Projektleiterin der Ausstellung BIOPOLIS für die Schweizerische Landesausstellung Expo.02. Seit Dezember 2002 ist Annette Schönholzer Projektleiterin der internationalen Kunstmesse Art Basel Miami Beach.

Marc Spiegler, geboren 1968, ist französisch-amerikanischer Doppelbürger, verheiratet und lebt in Zürich. Er hat 1986 bis 1990 in Amerika Staatswissenschaft (Political Science) studiert. Zwischen 1992 und 1994 besuchte er die Medill School of Journalism in Chicago, die er mit einem Masters of Journalism abschloss. Seit 1998 arbeitet er als freier Kunstjournalist und Kolumnist und ist unter anderem für Zeitschriften und Zeitun- gen wie The Art Newspaper, Monopol, Art & Auction Magazine, ARTnews Magazine, Neue Zürcher Zeitung, New York Magazine tätig. Als Moderator und Sprecher hat er an verschiedenen Symposien teilgenommen.

Das neue Führungsteam vereint profundes Wissen über Kunst und Kunstmarkt, ein grosses Beziehungsnetz in der Kunstwelt sowie Erfahrung in der Organisation von internationalen Kunstmessen. René Kamm, CEO der Messe Schweiz: «Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Führungsgremium die Position der Art Basel als weltweit führende Kunstmesse ausbauen und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern stärken können.»

Lebensläufe der zukünftigen Direktoren sind auf www.art.ch/go/id/dek/ abrufbar.