
Wir verdanken es der gegenwärtigen Struktur des Kulturbetriebssystems, dass die „freien Künste“ in knapp 30 Jahren zu Dienstleistungen der freien Marktwirtschaft einerseits und zu verwaltbaren Kuratorien der Qualitätskontrolle anderseits, umsegmentiert wurden.
Unter der Künstlerschaft trauten sich zuerst Einige, später nur noch Wenige hinter die Barrieren des offiziellen Kurses. Inoffizielle und autonome Destinationen künstle-rischer Unabhängigkeit waren riskant, denn Geschäftsleute, Experten und Verwalter sicherten mit Zulassungskriterien den gewünschten Verlauf des Kunstbetriebs, indem sie durch Anerkennung und Disqualifikation den „Gang der Dinge“ kontrollierbar machten. Ausserdem schürte ein elitärer, neuinszenierter Wind in Medienhäusern und Kulturinstituten, unter den Kunstschaffenden die Hoffnung auf internationalen Erfolg.
Mit der Erhöhung der Erfolgschancen und der Möglichkeit die Nutzung von Beziehungskanälen als Fahrgelegenheit und Vermittlungsschiene, auch mit Anschluss zu elektronischen Verbindungsnetzen, für sich mobil zu machen erhielt das Künstler-image kalkulierbare Dimensionen. Dies äusserte sich bald auch in der Bereitschaft, ein professionelles Profil durch Anpassung zu entwickeln...
Die Anwärterscharen liessen sich bei der Durchschleusung im Marketing-Karriere-Fleischwolf gern freiwillig selbst verwursten. Das Kulturkarussel glitzernder Super-Stars und Glamourzugpferde begann sich auf globalem Schauplatz, im Wirbel des Medienrummels zu drehen.

So war es absehbar, dass durch die permanenten Weichenstellungen der Betriebs-Funktionäre, häufig Laufbahn-Kollisionen verursacht wurden, wodurch andererseits „unerwünschte“ Beteiligte ausschieden bzw. regelrecht aus der Bahn geschleudert wurden. Entschlossen arbeitete man im Kreis der Verantwortlichen und Fachleute,
für die Aufgleisung von innovativen Sonderschnellzügen, aber auch von nostalgischen Vetterli-Brötlibahnen, wodurch man das Dienstleistungsangebot, sowohl für die spezialisierten Bedürfnisse der Fachkreise, als auch für den eher traditionellen Geschmack eines breiten Publikums, gewährleisten konnte.
Es wurden Reiseangebote zu anerkannten Kultur-Highlights und internationalen Ausstellungs-Metropolen lanciert. Auch sollten fortan Profilierungs-Wettbewerbe nurmehr intern ausgeschrieben werden, zur Förderung nur des „Allerbesten“ eingerichtet werden. Dass sich die Künste so, auf hohem Niveau stabilisiert, in definierten Bahnen fortbewegten, hierdurch in gebräuchlicher, GANGbarer Art und Richtung entwickeln mussten, war absehbar...
Der Gang der Dinge nahm also den gewünschten Lauf...
Wenn man diesen Vorgang allerdings genauer unter die Lupe nimmt, wird einem beim Wort GANG auch einmal die englische Wortbedeutung in den Sinn kommen.
Hier heisst GANG soviel wie „Verbrecherbande“ und im Wort Gängelung steckt Bekanntlich auch Bevormundung, Manipulation !

Tatsächlich knüpft sich in den subventionierten Kulturinstituten eine Art Bandage, ein Band der Bevormundung, ein Gängelband, das die Produktion und Konsumtion der Künste instrumentalisiert und sie dauerhaft und individuell in ihren medialisierten Rollenfunktionen einbindet. Dieser Zustand veranlasste vor Jahren schon Kunstschaffende zur Auswanderung ins „Liberalium Artium –EXIL“, wo die souveränen, uneingeschränkten Bedingungen der Produktivität fortbestehen.
Auf der anderen Seite begrüsst der „Concours officiel“ mit seinen attraktiven Ka-rierebedingungen weiterhin dienstleistungsmotivierte Teilnehmer, aus deren munterer Schar jährlich die besten Rennpferde ermittelt, auf die Rennbahn geschickt werden.
Versteht sich, dass das Establishment der Sammlerguilde und Financiers von jeher ein Interesse daran hatten, dass derVorstand und die Fachleute von Museumsgesellschaf-ten und Kunstvereinen in ihren Programmen eine tadellose Künstlerelite präsentieren. die über ein entsprechendes Potenzial verfügt, das zur Herstellung künftiger Wert,-und Prestige-Anlagen, als auch in Bezug auf repräsentative und staatliche Image-pflege entsprechend geeignet ist.
Womit klar gesagt wäre, was viele Künstlerinnen bis heute veranlasst ihren Schaffensprozess so zu disziplinieren, dass die Chance in den Kreis der Auserwählten aufgenommen zu werden, zumindest in Takt bleibt. Man hält sich eben an die Spielregeln, die da etwa lauten : „shut up and work !“ oder gar: „Krieche und schleime“.
Die alten Erziehungsmassnahmen. „Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, werden im neuzeitlichen Ton durch Teilnahme-Bedingungen ersetzt.
Bestaunen wir also weiterhin ein Kulturkarussel, das zum Manipulationslabor von Kapital und Kuratorium umfunktioniert , lustig vor sich hin trällert...? Der Reigen der Anerkannten dreht sich bunt austaffiert als besitzbare Rösslein vor aller Augen. Es lädt ein zum Einstieg und zur Verköstigungsfahrt des infantilen Genusses der Orbitalen Umdrehungen und Verdrehungen der Kunst. Für den garantierten Erfolg dürfen ihre Erzeuger bestenfalls noch gute Pausennarren und Jongleure von Beliebigkeiten sein, die sie umgesetzt in Marotten, Fetische und Leckerbissen von Medien und Managern vermarkten lassen dürfen...
Die Begeisterung des Publikums für ökonomische Boni-Träger und Status-Symbole nimmt jedoch ab, es ist desshalb fraglich ob der Run auf kulturelle Hochburgen der kapitalistischen Ideologie,tatsächlich noch lange Bestand haben wird. Wir dürfen also gespannt sein, auf das was die offiziell„schweigenden Lämmer“ der letzten 30 Jahre Kunst,-und Kulturentwicklung, bei einer Wende und beim Drehen des Windes, doch noch von sich geben werden, verständlicherweise erst dann wenn plötzlich neue Werte und eine andere Richtung der Entwicklung, Gültigkeit haben werden.


