MSB brainstorming

14 March 2007

Dreaming Monk: Mushrooms, Soy Noodles and Soap?


In an attempt to avoid putting to much junk down the drain I have gotten into the habit of washing my brushes and stuff in a little water filled pail which, when it gets too disgusting, is poured into an old container or can; whatever is convenient. Depending on the season and the humidity level, either the water evaporates and I can put the residue in the trash bin, or the whole thing starts to rot and stink. Which of course raises the internal, eternal(?) debate of self comfort versus idealism.

A few years ago my “mixture” rotted, dried up, rotted some more, dried up again and really became beautiful both in color and texture. I made a silicon mold ;-) of it with the thought of making a little bronze relief souvenir,.. or something, which I sadly admit, I have yet to do.

All that to not explain my basic happiness at looking at the pictures from we make money not art's post about Michel Blaz's Post Patman installation at the Palais de Tokyo. Hope I can make it there in April!

From Rattlebrained.

Belcher: New Cartoons - from Thames Valley Texas

win
flogging a dead..
hitler's tears
genius
ouch

A cartoon a day keeps the funders away...see

http://belcheresque.wordpress.com

serious side

THAMES VALLEY TEXAS

http://www.sdbmedia.wordpress.com

10 March 2007

ostschweizer — comics — now! sequenz #4 – brutti ma buoni

sequenz #4 – brutti ma buoni


's liegt bereit: ein überquellendes, vielfältiges, 224 seiten starkes taschenbuch. das haben wir gestern abend gefeiert, im badhaus hinter der lokremise! brutti ma buoni

ostschweizer und –innen — comics — now!

beatboxer camero war sagenhaft!

dazu kam

bondage fairies
«die ankündigung (...) hier habe man eine «mischun aus punk und elektro-wahnsinn ergänzt von atari-melodien» vor sich, klingt ja erstmal wie eine drohung. nicht schon wieder! diese hybriden, die nicht wissen, was sie wollen oder können oder wie sie's anstellen sollen, endlich auch mal in die presse zu kommen! glücklicherweise sind die bondage fairies aber wirklich eine ganz fabelhafte band, die erstens in schweden schon so manche großartige liveshow hingelegt hat als auch mit "what you didn't know when you hired me" eines der ersten großartigen alben dieses jahres rausbringt. sie haben nicht nur die richtigen klamotten (und treten als zweiköpfige roboterband auf, komplettiert durch einen computer), sie haben auch die richtigen illustrationen im booklet (ein strümpfiger he-man zum beispiel oder ein totenkopf mit zwei gekreuzten vibratoren) (...) nicht zuletzt sprechen elvis creep und deus deceptor (die richtigen namen haben sie also auch!) als schweden auch noch so manches englische wort auf charmante art falsch aus.»
tina manske, gaesteliste.de, internet-musikmagazin
www.betterbondage.se

john player
«john player (bürgerlicher name: hans spieler) gehört zur züricher partyszene wie die kuh auf die alm: egal ob als dj, partyveranstalter oder labelbetreiber von 7b records. «j» ist der hans dampf in allen gassen ...»
DE:BUG, magazin
www.7b.to


mitsutek
mitsutek hat bereits an der ersten sequenz-vernissage gerockt, und ist als st.galler dj, netzwerker und partyveranstalter öppis. www.abbruchhaus.net

sister jane
«30er, 40er, 50er»

sequenz-visuals
brutti ma bouni - womit wir wieder beim thema wären. wer sie noch nicht kennt, sollte sie langsam kennenlernen, unsere hauseigene visualbande.das magazin sequenz soll in erster linie eine plattform für menschen bieten, welche sich mit sequenzieller grafik, oder der sequenz im allgemeinen sinne (dies sei nun zu erforschen) beschäftigen, jedoch nie die möglichkeit oder den mut hatten ihr schaffen der öffentlichkeit zu präsentieren. gleichzeitig soll es dazu anregen, sich mit diesem thema zu beschäftigen, neues zu schaffen, den rahmen der sequenz, wie dieser begriff bis heute definiert wurde zu erweitern.
nun greifet zu farbstift, startet den computer, spannt film in eure kameras, kritzelt geschichten und poesie und erhebet euch aus des klosters schatten und sequenzimentiert!

es gibt keine grenzen, keine regeln, keine vorschriften- nur einen rahmen: die sequenz. die definition sei dem schaffenden überlassen...

sequenz soll animieren, informieren und interessieren.

sequenz website hier

07 March 2007

exex: can you now return to from where you came




can you now return to from where you came
peter dew, petra elena köhle und nicolas vermot petit-outhenin
> eröffnung donnerstag 8. märz 2007, ab 19 uhr
> mit einer einführung von matthias kuhn


----------
«can you now return to from where you came» ist der abschluss einer trilogie - nach «travelogue» (2004) und «warum die pilze hier und dort wachsen» (2005) - welche den narrativen möglichkeiten der kunst nachgeht. die frage ist ganz einfach: mit welchen mitteln erzählt die kunst geschichten? während die literatur sich fast ausschliesslich auf das medium buch beschränkt und geschichten linear erzählt, hat die visuelle kunst - im besten sinne des wortes - multimediale formen entwickelt, die vielschichtig, verzweigt und assoziativ funktionieren. die ausstellung «can you now return to from where you came» zeigt noch einmal zwei positionen, die sich in völlig unterschiedlicher art und weise narrativer techniken und strategien bedienen.

peter dew (*1967, lebt und arbeitet in st.gallen) ist ein sammler. er trägt materialien wie drähte, plastikteile oder hölzer zusammen und baut damit ganze universen, verbindet die absurdesten gegenstände zu kleinstskulpturen, fügt diese wiederum in grössere zusammenhänge ein und setzt sie zueinander in beziehung. seine installationen sind unübersichtlich und chaotisch und doch in den einzelheiten ordentlich und präzis. dews neuste installation «oh, but what if i want to go down that way?» gründet auf einem komplexen system von wegen, die als netzwerk die zum teil disparaten einzelteile zusammenführen, verbinden und zu einem einzigen geflecht von verweisen und bezügen - auch auf filme, songs und stories - verdichten.

petra elena köhle und nicolas vermot petit-outhenin (*1977, leben und arbeiten in zürich) reisten im frühling 2006 für ihr projekt «anche se non posso focalizzarti - sei nel mio sguardo» («auch wenn ich dich nicht sehen kann - du bist in meinem blickfeld») getrennt nach palermo. 21 tage wollten sie in der stadt leben und eine untersuchung über die wahrscheinlichkeit einer zufälligen begegnung führen. ausgerüstet mit fotoapparat, diktafon, notizblock und gps-gerät, das die wege durch die stadt aufzeichnete, verbrachten sie ihre tage flanierend und in der steten erwartung, den andern zufällig zu treffen, ihn in einem café sitzen, oder hinter der nächsten ecke auftauchen zu sehen. unter dem titel «über das eigenleben einer versuchsanordnung, oder von der unmöglichkeit keine geschichten zu erzählen» zeigen petra köhle und nicolas vermot eine dichte installation von texten und fotografien aus dem palermo-projekt.

projekteitung matthias kuhn

weitere informationen zum projekt unter http://www.visarteost.ch


----------
projektraum exex, oberer graben 38, 9000 st.gallen
telefon 071 220 83 50, e-mail exex@visarteost.ch
öffnungszeiten: donnerstag 9 bis 12 uhr und 13.30 bis 17 uhr
oder auf anfrage


----------
alle veranstaltungen märz/april 2007

www.offoff.ch
bar zur lancierung des portals der off-spaces der schweiz!
- url http://www.offoff.ch
> freitag, 16. märz 2007, ab 19 uhr
petra elena köhle & nicolas vermot petit-outhenin:
von der unmöglichkeit keine geschichte zu erzählen
köhle/vermot lassen sich in gespräche über palermo verwickeln ...
> donnerstag, 22. märz 2007, 20 uhr, nocturne surprise um 22 uhr
<peter dew: the feeling arranger, the heavenly conductor and me, or:
a different story for every set of eyes
peter dew legt musik von neil young auf.
> donnerstag, 5. april 2007, 20 uhr, nocturne surprise um 22 uhr
ON TOUR: kunsthaus glarus
sonntagsausflug zur ausstellung von köhle/vermot in glarus ...
- url http://www.kunsthausglarus.ch
> sonntag, 15. april 2007, st.gallen ab 10.02 uhr
> anmeldung bis 13. april 2007 unter webmaster@visarteost.ch
matthias kuhn/alex meszmer: travelogue (remastered)
- url http://www.wortwerk.ch/travelogue
> donnerstag, 19. april 2007, 20 uhr, nocturne surprise um 22 uhr

----------
exex präsentiert eine sight-hearing-tour durch st.gallen:

AUDIOMOBIL

blablabor (reto friedmann/annette schmucki), sven bösiger,
andres bosshard, karin bühler, marcel gschwend, häfligerohr
(hans häfliger/jürg rohr), matthias kuhn, silvan lassauer,
arno oehri & marco sele, andrea siering, hildegard spielhofer,
strotter inst., martina weber

25. bis 28. april 2007

projektleitung karin bühler

06 March 2007

A.G. Corciulo: 1. Ausstellung von Gabriella Tundo


GABRIELLA TUNDO
MALEREI
VERNISSAGE FREITAG 9. MÄRZ 18-20 UHR

Im Atelier von Andrea G. Corciulo/ St.Gallen/ Lagerhaus/ Davidstrassse 44/ 2. Stock/ beschildert

Weitere Ausstellungsdaten:
SA. 10.03 / SO 11.03
SA. 17.03 / SO 18.03
JEWEILS VON 11 – 17 UHR

Gabriella zeigt ihre über das letzte Jahr entstandenen Insektenbilder.

Wir freuen uns auf Euren Besuch!
Herzliche Grüsse

Andrea + Gabriella

28 February 2007

Brandl/Reed: Painting Back When It Had Been Proclaimed Dead




David Reed and Katy Siegel, a painter and art historian, respectively, both of whom I treasure, have organized an exhibition at the National Academy Museum. Here is an excerpt from Roberta Smith's review of the show in the NY Times of 16 February 2007.



NY Times: Art Review of "High Times, Hard Times"
"Painting in the Heady Days, After It Was Proclaimed Dead"
Roberta Smith

"New York painting from the late 1960s and early ’70s — when the medium supposedly was dead — is one of the biggest elephants in the room of recent art history. The nonpainting trends of those years have been relentlessly celebrated and valorized by museums, art historians and biennials. The multiple strands of Post-Minimalism that ended painting’s dominance — Conceptual, Process, Performance, Earth and video art — have coalesced into a canon and master narrative of their own. The king is dead, long live the king.

But painting? What happened to painting after the final big bangs of Pop and Minimalism, as Modernism wound down, is both exceedingly complicated and relatively unexamined. Enter “High Times, Hard Times: New York Painting, 1967-1975,” a brave if deficient exhibition organized by Independent Curators International, which concludes its three-stop tour at the National Academy Museum.

(...) The show passes over the artists who dominated painting during this period, like Jasper Johns, Frank Stella, Brice Marden, Robert Mangold and Robert Ryman. Young Turks of that moment, like David Diao and Peter Young, are here, but the whole project feels a bit hollow at the center, like a time capsule from a time that didn’t quite exist.

Still, with 42 works by 37 artists, "High Times, Hard Times" is a start and should inspire further attempts. It was proposed by the painter David Reed and assembled by the art historian and critic Katy Siegel in consultation with Mr. Reed. Sketchy as the final outcome often is, they and Independent Curators International are to be commended for tackling a job that a flush New York museum should have taken on about 10 years ago. Whatever its problems, this exhibition demonstrates a central truth: far from being dead during the period in question, painting was in an uproar. (...)

(...)In the end, this exhibition would have been better titled “New York Painting, 1967-75: The Untold Story.” Its problem, simply, is that the larger, more familiar story of the painting of this period has yet to be told.
But this exhibition, pulled off by a small nonprofit art organization with no gallery space of its own, has taken the plunge, and it suggests all kinds of possible exhibitions: surveys of Ralph Humphrey’s or Ms. Fishman’s career, for example, or of New York painting in the late 1970s and even the ’80s. Perhaps it will remind New York’s big museums to think outside the box of the blue-chip retrospective or the sampling of current gallery trends and examine painting’s neglected recent past in ways that might benefit its present and future."

"High Times, Hard Times: New York Painting, 1967-1975" through April 22, the National Academy Museum, NYC, NY.

Read the whole review here.

National Academy Museum here.

Image: Dan Christensen Untitled, 1968, 90 X 70 inches, Acrylic on Canvas

08 February 2007

GESPRÄCHS-ORT-BLOG: HEIMSPIEL 06


Vielleicht haben Sie den Artikel von mir, Mark Staff Brandl im St. Galler Tagblatt von Freitag, 9. Februar gelesen. Die Diskussion unter Künstlern hat bereits begonnen auf dieser Blog Site, dem "Swiss Art Sharkforum". Wir haben hier im Swiss Art Sharkforum DREI Blog-Posts zu dieser Ausstellung. Bitte lese alle drei und danach beteiligen Sie sich daran — unter diesem Post!

Jetzt sind auch alle drei im Tagblatt erschienen. (Volle Texten auch unten.)

Link zum Brandl Tagblatt-Artikel hier.

Link zum Kuhn Tagblatt-Artikel heir.

Link zum Meszmer Tagblatt-Artikel hier.


Brandl: Offener Brief im Tagblatt zu Heimspiel 06



Matthias Kuhn: Heimspiel 06 - Auswärtsspiel vor heimischem Publikum - Einige Abschweifungen



Alex "Max" Meszmer: Heimspiel 06 in St Gallen: 1:2 für das Kunstmuseum

Alex "Max" Meszmer: Warum die Schweiz nie Fussballweltmeister wird, oder Heimspiel 06 - eine Nachlese

Hier der ganze Tagblattartikel zur Heimspieldiskussion vom 24.02.07.

Endlich ist das Heimspiel vorbei und langsam werden die Diskussionen abebben. Mit einem Donnerschlag hatte Mark Staff Brandl die Diskussion um die Ausstellung und das Gebaren rundherum angeheizt, provoziert und polarisiert. Die Aufmerksamkeit war da, alle waren wach – öffentlich dazu äussern, das trauen sich nach wie vor nur Wenige. Aufmerksamkeit zu erlangen für die eigene Arbeit ist das A und O eines jeden Business. Am einfachsten geht das immer noch mit Schlagworten und für einen Augenblick gucken dann alle hin. Von Fussball habe ich so gut wie gar keine Ahnung und nachdem ich mit meiner Überschrift ihre Aufmerksamkeit erlangt habe, schreibe ich über das Einzige von dem ich wirklich etwas verstehe – über Kunst.

Manchmal hätte ich mir mehr von dieser Aufmerksamkeit gewünscht für interessante Projekte mit Künstlern z. B. aus der Romandie, die wegen ihrer hiesigen Unbekanntheit schlichtweg ignoriert wurden. Das Prädikat „aus der Region“ mag ja für landwirtschaftliche Produkte angehen, sehr verwundert hat mich allerdings, dass dies auch für Kultur gilt. Auswärtige Positionen müssen immer mal mit hiesigen gemischt werden, sonst haben sie keine Chancen – insofern ist diese Diskussion auch eine wertkonservative, die das alltägliche Verhalten einer Ostschweizer Kulturszene widerspiegelt.

Die Ostschweiz ist ein geschichtlich befrachteter Raum, der kulturell seit langem Hinterland ist. Es gibt andere Landstriche, die sich mit weniger Geschichte zufrieden zurückgezogen haben, um von den Früchten einer vergangenen Kultur zu leben. Ausser dem Postboten gibt es Tag für Tag nicht viel Bewegendes. Die Welt verblüffende Neuerungen und wahnsinnige Impulse für die Weltkunst entstehen woanders. Noch dazu, weil die Ostschweiz völlig akademielos vor sich hindümpelt und einem Künstler nicht viel anderes übrig bleibt, als anderswo sein Glück und seine Ausbildung zu suchen. Es fehlt der hiesige Künstlernachwuchs und diesem auch der Anreiz zurückzukehren. Auch wenn dieses Anderswo nur nebenan in Zürich liegt.

Früher mag die Situation anders ausgesehen haben. Die Schweiz setzte lange Zeit auf eine stark kunstgewerbliche, handwerkliche Tradition in der Kunstausbildung und man trifft noch heute auf eine sehr heterogene Künstlerschaft, die sich ihre Ausbildung selber zusammenzimmern musste. Darunter sind auch viele Künstler, die in Deutschland eindeutig durch das Sieb fallen würden. So konnte man auch, wenn man sich die Mühe machte, im Projektraum exex die eingereichten Dokumentationen zu studieren, feststellen, wo dieser Bruch durch die Künstlerschaft geht.

Die Gründung und der Aufbau von Kunstschulen, wie der HGKZ oder der F&F veränderten die Situation – eine Veränderung, die auch am Selbstverständnis der Künstler der verschiedenen Generationen sehr eindeutig zu bemerken ist: Es vollzog sich ein Paradigmenwechsel in der Schweizer Kunst, der gerade bei solchen Präsentationen wie dem Heimspiel sichtbar wird – das sind eigentlich Generationenkonflikte par excellence.

Die visarteost hat es mit dem Projektraum exex vorgemacht, wie die heutige Generation, die noch aus diesem Mischverhältnis erwachsen ist, funktioniert; in der restlichen visarte bahnt sich der Paradigmenwechsel langsam an. Die neue Generation ist pragmatischer, der grosse politische Kampf um Anerkennung ist gefochten und es geht wieder um die Sache selber, um die Kunst als Tagesgeschäft und aus Leidenschaft.

Bereits aus dieser Konstellation entstehen verdeckte Konflikte, die eben auch Kunstdiskurse sind. Während es früher scheinbar nicht notwendig war über den Gartenzaun zu schauen, was draussen in der weiten Welt vor sich ging, kann ich mir es als Künstler heutzutage kaum noch leisten zu schaffen, ohne die Entwicklungen der Kunstszene auf nationaler, internationaler und multinationaler Ebene zu rezipieren. Die Avantgardebewegung hat ein Negativbewusstsein für epigonale Kunst geschaffen und während in früheren Jahrhunderten Dorf- und Lüftelmaler überleben konnten, indem sie ein Leben lang Variationen von einem einmal gesehenen Thema malten, sehen sich Künstler heute einem stetigen Diskurs und einer dauernden Wertung ausgesetzt, die durch ein mediales Bild bestimmt sind.

Mit Projekten wie der 100-Franken-Show oder den letztjährigen Ostdiamanten hat der Projektraum exex im Kleinen die eine oder andere mögliche Variante des Heimspiels bereits durchgespielt und damit kunstpolitische Themen angegangen. Das Heimspielarchiv war auch bei dieser Triennale für mich der überzeugendste und gewinnbringendste Beitrag zur Ausstellung. Als Zugewanderter muss ich mir die Übersicht über die hiesige gewachsene Kunstszene erst erarbeiten und das funktioniert mit Arbeitsdokumentationen viel besser als mit auf Hochglanz polierten künstlerischen Einzelstücken.

Kuratoren folgen wie Künstler in ihrer Arbeit eigenen Vorlieben – und so ist auch nicht verwunderlich, dass über die Auswahl der Künstler des Heimspiels gestritten wird. Eine Jury ist immer subjektiv und eine Auswahl ist es auch – eigentlich wird schon bei der Einladung einer Jury die Ausstellung mitbestimmt. Ein Mitsprache- oder Einspruchsrecht einiger Institutionen bei einer Jurierung ist mir allerdings unbegreiflich.
Bisher haben mich die Jurierungen in der Schweiz begeistert – es wird wesentlich mehr über die Sache Kunst diskutiert als in Deutschland; dort herrscht der Vitamin B Konsens und der Umgangston ist weniger fair und weniger kollegial.

Bei der Neuordnung der künstlerischen Ausbildungen hat sich aber auch eine neue Spezies herausgebildet. Wer früher einfach nur Kunsthistoriker war, und sich nur für die historisch verbürgten Tatsachen der Kunstgeschichte bis etwa zu Beginn des Impressionismus interessierte, wurde dem Zeitgeist angepasst. Herauskam ein Homunculus aus Kulturmanagern und Kuratoren, beflissen aus einer „Kunstwelt“, einen „Kulturbetrieb“ aufzubauen. Um mit ihrem Tun auch Geld zu verdienen, besetzen diese frisch deklarierten Experten ehemaliges Künstlerterrain. Jüngere Künstler nehmen dies mit grösserer Gelassenheit hin, sind sie doch nichts anderes gewohnt. Dieser neu geschaffene Betrieb folgt viel stärker den Moden des Zeitgeistes aus dem er erwachsen ist und vorgelegten Geschmacksvorgaben.

Hier liegt vielleicht eine Krux dieses Heimspiels: Der Jury ist eine Auswahl gelungen, die vor allem durch ihre Videolastigkeit zum kuratorischen Notfall wurde – ein Problem, mit dem bereits die letzte documenta vergeblich zu kämpfen versuchte. Ob die Unsinnigkeiten grosser Ausstellungen im Kleinen unbedingt wiederholt werden müssen und wie mit der kuratorischen Herausforderung umgegangen wurde, sind meines Erachtens die fragwürdigen Spielzüge dieses Heimspiels.

Und dann: Die Sicherheit – wie Matthias Kuhn bereits bemerkte. Mir scheint, dass sich alle Nachteile einer relativen Sicherheit einer institutionalisierten Ausstellung bei der Betrachtung des letzten Heimspiels offenbaren. Um noch einmal die Fussballmetaphern zu bemühen: Gespielt wird rein auf Sicherheit und Bewahrung, nicht auf Risiko und Torchancen. Es geht um den Klassenerhalt, auch wenn es nur die Bezirksliga ist. Das Fieber ist abhanden gekommen, ebenso der Glaube an den Aufstieg. Die Mannschaft ist zusammengewürfelt und die Trainer gar nicht wirklich vorhanden. Wer wollte da noch darum streiten, nicht dabei gewesen zu sein?

Brandl: Offener Brief im Tagblatt zu Heimspiel 06


Nachdem ich die sogenannte "Heimspiel"-Ausstellung 2006 mehrmals und in Begleitung verschiedener Leute besucht habe, muss ich jetzt endlich klar und deutlich sagen, was alle hinter vorgehaltener Hand raunen, sich aber offensichtlich niemand öffentlich auszusprechen traut: Diese Ausstellung gehört zu den schlechtesten, die ich je gesehen habe. Sie besteht, um es auf den Punkt zu bringen, vorwiegend aus drittklassigen Unterliga-Variationen von konsens-korrektem, vor 10 Jahren trendigem Kunstwelt-Quatsch. Eine kleine Handvoll Ausnahmen bestätigt die Regel, wie z.B. Katja Schenker oder Marianne Rinderknecht. Interessanterweise handelt es sich bei diesen Ausnahmen um die seltenen echten Heimspieler (d.h., sie wohnen und arbeiten in unserer Region und sind auch wirklich in die hiesige Kunstszene involviert), welche diese Ausstellung darstellen zu wollen vorgibt. Aber ausgerechnet diese wenigen guten Künstlerinnen oder Künstler sind besonders dilettantisch präsentiert! Ich möchte die Ausstellung selber hier nicht weiter kommentieren – der Umfang einer Rezension kann ja auch ausdrücken, wieviel Worte eine Ausstellung wert ist. Hingegen werde ich mich ausführlich zu den Hintergründen äussern, welche dieses Desaster ermöglicht oder vielleicht sogar unausweichlich gemacht haben.

Als ich mich mit einer ehemaligen Kunsthalle-Kuratorin über die Ausstellung unterhielt, schlug sie in die sattsam bekannte Kerbe und meinte, ich hätte vergessen, dass es die Aufgabe der Kuratoren in der Provinz sei, die lokalen Künstler durch die Konfrontation mit Einflüssen von aussen zu erziehen. Ein völliger Schwachsinn. Diese Art von "Belehrung" ist in unserer global vernetzten Gemeinschaft völlig überflüssig. Die meisten von uns, die ausserhalb der städtischen Zentren leben und arbeiten, wissen sofort alles, was dort geschieht. Normalerweise habe ich unmittelbar in New York gesehen, was sich dort tut; und dann werde ich acht bis zehn Jahre später in St. Gallen darüber "belehrt". Wobei dieser Unterricht schlicht darin besteht, uns zu sagen, vor welchen kuratorisch korrekten und momentan anerkannten Tendenzen wir in die Knie fallen sollten – die unausgesprochene, aber deutliche Aussage lautet: "Schaut her, ihr Provinzler, auch ihr könntet in dieser Ausstellung sein, wenn ihr nur bereit wärt, die momentan akzeptablen, von den Kuratoren als massgeblich eingestuften Künstler zu imitieren!". Eine Art von "Bestseller auf dem Plattenteller" des Kunstbetriebs, oder noch banaler: "Die Kunstwelt sucht den Superstar".

Wie Alex Meszmer meint, steckt dahinter das Streben nach "ein bisschen Documenta – oder New York – endlich auch für alle Provinzen". Aber diese Ausstellung wirkt wie die New Yorker Ausstellungen in den späten 1980er Jahren! Ganz nach dem Trend der Kuratoren, aber einfach gut und gerne 20 Jahre zu spät. Das einzig Schlimmere als trendy zu sein ist verspätet trendy zu sein, und es beweist in diesem Fall, dass die Juroren und Kuratoren die Provinzler sind, nicht die Künstler. Übrigens ist das Wort "trendy" im Englischen ein Schimpfwort und bedeutet nicht "auf der Höhe der Zeit", sondern so etwas wie "kopflos dem letzten Schrei nachrennend". Ich teile völlig die Ansicht von Mezmer: "Man zeigt schlechte Kopien von Arbeiten international arrivierter Künstler, tut aber, als existierten diese nicht." Und das mit der erwähnten, ganz unverhüllt beleidigenden Absicht, die lokalen Künstler in ihre Schranken zu weisen.

Im Moment sieht es wirklich danach aus, als ob die Kunsthalle und ähnliche Institutionen in einer Art von elitärem Sozialprogramm zur Entwicklung von Kuratorenkarrieren dienten. Vielleicht könnten sie statt dessen manchmal auch für die Entwicklung von Kunst und Künstlern eingesetzt werden? Ist dies zu viel verlangt? Zumindest in Ausstellungen, welche angeblich der Darstellung des aktuellen Kunstschaffens der Region gewidmet sind?

Aber wie müsste eine brauchbare Ausstellung von Ostschweizer Kunstschaffenden aussehen? Zunächst sollte sie jährlich stattfinden und echt regional ausgerichtet sein. Wie H.R. Fricker richtig bemerkte, haben wir Künstler nur selten die Gelegenheit, gegenseitig unsere Arbeiten zu sehen, da wir nur selten in der Kunsthalle gezeigt werden, da es nur selten Retrospektiven regionaler Künstler gibt, usw. Es wäre für uns eine grossartige Gelegenheit, jährlich zu sehen, was die anderen produzieren, die eigene Arbeit damit zu vergleichen, ja sogar miteinander in einen Wettbewerb zu treten, aber mit fairen Regeln, wo nicht schon heimlich im Voraus festgelegt wurde, wer gewinnen wird und deshalb am meisten Raum kriegt. In anderen Kantonen ist das möglich, auch in anderen Städten und anderen Ländern. Weshalb nicht in St. Gallen?

Sicher trifft zu, was Matthias Kuhn geschrieben hat: "Man würde es vielen zu Hause gebliebenen Kunstschaffenden wünschen, es hätte ihnen irgendwann einer einen Tritt in den Arsch gegeben und sie aufgefordert, ihre Kunst draussen in der Welt zu erproben. Wir hätten weniger schlechte Bewerbungen im Heimspiel-Archiv." Allerdings kann das nur dann geschehen, wenn die Einheimischen zuerst einmal hier ausgestellt werden und sich im lokalen Rahmen behaupten müssen; wenn man sie ernstnimmt und auch ernsthaft kritisiert. Es trifft eben auch zu, was Kuhn weiter sagt: "Der Titel 'Ostschweizer Kunstschaffen 2006' für die Ausstellung im Kunstmuseum, der Kunsthalle und im Projektraum exex ist verfehlt. Oder er weckt falsche Erwartungen. Die meisten teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler leben nicht in der Ostschweiz." Es dürften also wirklich nur Kunstschaffende aus St. Gallen, den beiden Appenzell und Thurgau involviert sein, Leute, die hier leben und arbeiten. Die immense Ausdehnung des einbezogenen Gebiets, das Kriterium des Bürgerorts für Teilnehmende mit kaum einem lebendigen Kontakt zu unserer Region zielt offensichtlich darauf ab, die lokalen Kunstschaffenden zu beleidigen und aus dem Rennen zu werfen.

Ein fundamentales Problem stellt die Jurierung. Es wird immer wieder die Behauptung aufgestellt, dass es sich bei den Juroren um Aussenseiter, also um Unparteiische handle. Ich bitte um Verzeihung, wenn ich für einen Moment überheblich bin: Die ganze Schweiz ist ungefähr so gross wie Los Angeles, also ist diese Unparteilichkeit schlicht unmöglich. Die Schweizer Kunstwelt, ja sogar die globale, ist eine überschaubare Gemeinschaft mit eng verquickten Interessen.

Was nötig ist, ist ein neues kuratorisches Konzept, z.B. echte Kuratorenarbeit, die heute kaum mehr geleistet wird. Das bedeutet, dass ein Kurator oder mehrere, die sich in der Region auskennen, ganz offen die Künstler besuchen, die Sachen auswählen, die ihnen gefallen, und damit eine Ausstellung machen – und mit ihrem Namen für das Gezeigte einstehen. Ganz sicher würden sie sich der Kritik aussetzen, aber auch Zustimmung und Beifall erhalten, und es gäbe keine verlogenen Vorspiegelungen von Unparteilichkeit und dergleichen. Jedermann wüsste: Das ist die Ostschweizer Ausstellung, wie Soundso sie sieht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe mich mit verschiedenen Künstlern und Kunstliebhabern in der Ostschweiz zusammengesetzt, z.B. mit Jan Kaeser, Alex Mesmer und anderen, die nicht genannt sein möchten, sogar mit Kuratoren. Unabhängig voneinander schrieben wir eine Liste von Kunstschaffenden, ernstzunehmenden Kunstschaffenden, die uns spontan als Teilnehmer einer regionalen Ausstellung einfielen. Wir hatten schnell je eine Liste von ca. 30 Namen zusammen, und unsere Listen waren praktisch identisch! Es wäre also gar nicht so schwer, eine seriöse Auswahl zu treffen, sofern man über Mut und Unabhängigkeit verfügt.

Ganz im Gegensatz dazu war das "Heimspiel" weitgehend auf die Vermeidung von Verantwortlichkeit angelegt. Offene, nicht klandestine Verantwortlichkeit. Viele Schweizer Kollegen haben mich gewarnt und gesagt, dass dies in der hiesigen Kunstwelt sehr schwierig sei, dass man es vorziehe, im Verborgenen und hinter dem Rücken der Anderen die Fäden zu ziehen, dass man es nicht wage, seine wahre Meinung offen auszudrücken, und dass ich für meine öffentliche Kritik mit irgendwelchen Intrigen gegen mich zu rechnen haben werde. Ich glaube nicht, dass dieser Eindruck zwingend wahr ist. Ich meine, dass eine öffentliche Diskussion möglich ist, und ich möchte sie mit dieser Stellungnahme eröffnen. Und ich meine, dass es an mir liegt, an die Öffentlichkeit zu treten, weil ich als Künstler ohnehin vorwiegend ausserhalb der Ostschweiz tätig bin und weil ich an den meisten dieser "Heimspiele" vertreten war. Ich kann mich persönlich über die Behandlung durch die regionalen Kuratoren und Kunstgemeinschaft nicht beklagen. Wenn sich jemand anders wehrt, wird man es als "Saure Trauben-Syndrom" abtun, was in meinem Fall kaum möglich ist. Ich äussere meine Kritik hier und auf diese Weise aufgrund meiner Einsicht in die Gegebenheiten, aus moralischer Verantwortung und dem Bedürfnis nach Redlichkeit. Die Diskussion unter Künstlern hat übrigens bereits begonnen, zusammen mit Matthias Kuhn und Alex Meszmer, auf unserer Ostschweizer Kunst-Diskussions Blog Site, dem "Swiss Art Sharkforum". Besuchen Sie die Website und beteiligen Sie sich daran! Und auch für die lokale Presse könnte es von Interesse sein, sich aus erster Hand Informationen darüber zu beschaffen, was die Beiträge und Anliegen der regionalen Künstler sind.

Was wir unverkennbar dringend brauchen, ist ein offenes und klares Gespräch über diese Ausstellungsreihe und darüber, was nötig ist, um eine echte Ausstellung des Ostschweizer Kunstschaffens ins Leben zu rufen. Ausstellungen wie diese und ihre Vorgänger (bei denen auch meine Kunst oft dabei war, wie gesagt) sind nur wenig verhüllte Beleidigungen für die Künstler und Künstlerinnen, die hier wohnen und arbeiten. Ausstellungen wie das „Heimspiel" müssen im Dienst der Kunst existieren, die hier geschaffen wird; sie sind nicht dazu da, um als kuratorische Werkzeuge das regionale Schaffen zu demütigen. Diese Ausstellungsreihe hat nichts damit zu tun, was sich Josef Felix Müller und die übrigen von uns vorgestellt haben, als wir diese Ausstellung gemeinsam aus der Taufe gehoben haben. Die Künstlerinnen und Künstler von Visarte, die Künstlerinnen und Künstler von exex und alle anderen Ostschweizer Kunstschaffenden müssen sich zusammensetzen und Ideen für eine authentische, positive, das Potential der Ostschweiz stärkende Ausstellung ausdenken. Wie muss eine wirkliche Ausstellung des Ostschweizer Kunstschaffens aussehen?

Unter das Niveau des "Heimspiels 2006" kann sie jedenfalls nicht sinken.

07 February 2007

Kuhn: HEIMSPIEL 06 - Auswärtsspiel
vor heimischem Publikum - Einige Abschweifungen


Noch einmal Heimspiel. Nachdem Meszmer bereits an der Wursttheke gespiesen und dann ziemlich verständnislos und schnöd über das Ostschweizer Kunstschaffen 2006 berichtet hat und nachdem man in der Lokalpresse die übliche endlose Aufzählung von Namen lesen konnte, ein who-is-where des St.Galler Heimspiels gewissermassen, ohne den geringsten Ansatz zu einer Kritik, und nachdem man in der überregionalen Presse dieses Spiel kaum zur Kenntnis genommen hat ... Also dann, noch einmal Heimspiel ...

Ein Heimspiel ist, wenn der heimische Klub im eigenen Stadion vor dem eigenen Publikum spielt. Man hofft dann auf den Heimvorteil und rechnet mit einem deutlichen Heimsieg. Alles andere wäre, grad in St.Gallen, eine Überraschung. Man kennt das: Das Publikum schreit und peitscht den eigenen Klub zum Sieg. Die andere Spiele sind Auswärtsspiele. Da sind dann von den eigenen Fans nur die eingefleischten dabei und das Spiel wird, eben vor dem Heimpublikum des Gegners, um so schwerer.

Zum Sport gibt es in der Ostschweizer Kunst diesen Dezember und Januar keine Parallelen. Also ist der Titel für die Ausstellung Ostschweizer Kunstschaffen 2006 im Kunstmuseum, der Kunsthalle und im Projektraum exex verfehlt. Oder weckt falsche Erwartungen. Die meisten teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler leben nicht in der Ostschweiz und kehren nur für die Heimspiele in den Osten zurück. Und um sich für Stipendien zu bewerben gern auch zwischendurch. Alles nicht weiter schlimm: Denn die meisten wurden gezwungen wegzugehen. Zum Beispiel um Kunstausbildungen zu machen. Und auch klar, dass diejenigen, die nach Abschluss ihrer Studien wieder zurückkehren, in der krassen Minderzahl sind. Macht auch nichts: Man würde es vielen zu Hause gebliebenen Kunstschaffenden wünschen, es hätte ihnen irgendwann einer einen Tritt in den Arsch gegeben und sie aufgefordert ihre Kunst draussen in der Welt zu erproben. Wir hätten weniger schlechte Bewerbungen im Heimspiel-Archiv. Schliesslich braucht die Kunst den Test und die Reibung. Kunst die sich der Konfrontation entzieht ist selbstgenügsam, selbstgefällig und in den meisten Fällen unbedeutend. Wohl verstanden, nicht für die Künstlerin, den Künstler persönlich, sondern für einen zeitgenössischen Kunstdiskurs.

So ein Heimspiel hat also zwei Seiten. Durch den Reimport von quasieinheimischen Künstlerinnen fehlen die Plätze für die guten einheimischen Künstler. Wer die Listen der Bewerberinnen durchgeht, findet schnell eine ganze Reihe von Namen, die unbedingt hätten vertreten sein müssen in der Schau. Kunstschaffende, die seit Jahren in der Ostschweiz leben und kontinuierliche, professionelle Arbeit leisten. Von ihnen hätte man gerne nach drei Jahren zu Hause wieder etwas gesehen, vielleicht zu wiederholtem, vielleicht zum ersten Mal. Ein echtes Heimspiel eben und ein Test dazu: Vor den Freunden hat man schliesslich nicht nur den Heimvorteil, sondern ist immer auch besonders kritischen Kennerblicken ausgesetzt.

Natürlich ist es eine dringende Notwendigkeit für Anlässe wie ein Heimspiel die Künstlerinnen von auswärts zurück in die Ostschweiz zu bringen und damit Verbindungen zu reaktivieren, die vielleicht verloren waren. Es geht dabei um jene Künstler, die in Zürich, Genf, Basel, Düsseldorf und so weiter studiert haben und dadurch längere Zeit abwesend waren. Ihre Erfahrungen, vor allem an Kunsthochschulen und im Austausch mit anderen Kunstszenen sind für die Ostschweizer Kunstprovinz von unschätzbarem Wert. Diese Idee rechtfertigt auch den Umstand, dass die Vorarlberger zum zweiten Mal Gast am Heimspiel sind. Die Ostschweiz gewinnt dadurch beträchtlich an Boden: und reicht im Osten jetzt mindestens bis Wien!

Beide Aspekte sind zum Beispiel für die Arbeit im Projektraum exex integraler Bestandteil der vermittelnden Arbeit: Die Konfrontation regionaler mit überregionalen Positionen. Im exex allerdings geht das Konzept von streng kuratierten Ausstellungen aus und erweckt nicht in öffentlichen Ausschreibungen die Hoffnung, dass der Raum für alle offen sei. Denn das ist er nicht! Ein Kuratorinnenteam steht letztlich auch für die Qualität des Programms ein. Das ist im Heimspiel anders. Die Ausschreibung suggeriert eine breite regionale Abstützung nicht nur auf organisatorischer Basis, sondern auch auf künstlerischer. Die einheimischen Künstler stellen dann regelmässig nach Veröffentlichung der auserwählten Namen fest, dass die Region wieder einmal zu kurz gekommen ist ... während Auswärtige das hohe Niveau der Dreijahresschau loben.

Ob es die Angst ist, dass das Niveau des Heimspiels unter ein erträgliches Mass sinken könnte, wenn man den Titel der Schau allzu wörtlich auslegen würde, oder ob es tatsächlich so ist, dass die einheimische Kunst nicht nur quantitativ, sondern eben auch qualitativ nicht ausreichen würde eine grosse triennale Schau zu bestücken, sei dahingestellt. Aber vielleicht würde es sich lohnen mit der Form, die wir jetzt drei Mal identisch durchexerziert haben, ein bisschen herumzuexperimentieren.

Dazu nur mal schnell ein paar Ideen. Vielleicht mit einem neuen Jurierungs-Prozedere? In der Ostschweiz ist es eine zu hundert Prozent auswärtige Jury, die die Teilnehmerinnen auswählt (wobei seit dem ersten Heimspiel nicht ganz klar ist, was unter dem Mitsprachrecht und der Beratungsfunktion der Institutionen zu verstehen ist). Im Kanton Graubünden ist die Jury beispielsweise zusammengesetzt aus einheimischen und externen Sachverständigen, während in Basel die teilnehmenden Häuser je eine Jury stellen, die für die eigenen Räume aus den Eingaben Teilnehmer auswählt. Glarus dagegen zeigt im Kunsthaus seit Jahren unjurierte Ausstellungen. Dieses Jahr sind die Künstler von R bis Z an der Reihe. Und ein wesentlicher Unterschied: alle erwähnten Institutionen richten ihre Übersichtsausstellungen jährlich aus. Und auch nur nebenbei: Die erwähnten Vorgehensweisen garantieren weder für eine gleichbleibend hohe Qualität der Jahresschauen (der Jahrgang 2006 zeigt dies überdeutlich), noch für eine grössere Zufriedenheit unter den einheimischen Künstlern.

Oder müsste man die Teilnahmebedingungen überdenken? Vielleicht wären Medien- (Malerei, Video und so weiter) oder Regionalschwerpunkte (Fürstenland, Rheintal und andere) eine Idee? Und dann auch Teilnahmen der Kunsthalle Wil, des Shed im Eisenwerk Frauenfeld, der in Gründung begriffenen Kunsthalle Toggenburg in Wattwil (und selbstverständlich anderer Institutionen zwischen Rapperswil und Kreuzlingen) ein Thema. Kann ja sein, dass eine Dezentralisierung des Heimspiels der Provinz eher entspricht als der Zusammenzug der Szene in der Kapitale.

Oder eben: man unterscheidet für einmal zwischen dem Heimspiel und dem Auswärtsspiel und macht das Thema explizit. Zuerst ein echtes Heimspiel: Was bedeutet es in der Ostschweiz zu arbeiten, hier zu bleiben? Wie kann das gehen? Hält man das überhaupt aus, und wenn ja, wie? Und im andern Jahr das Auswärtsspiel: Was zwingt einen wegzugehen? Und was hindert die meisten daran zurückzukommen? Und vielleicht kehren wir dann im dritten Jahr zum aktuellen Modell zurück: Weil man daran am besten zeigen kann, wie das mit der Kunst auf dem Lande funktioniert .... Und im vierten Jahr mieten wir selbstverständlich ein grosses Industrieareal und machen die seit längerem vermisste unjurierte Jahresausstellung und veranstalten einen bunten Zirkus des Ostschweizer Kunstschaffens!

Platte Wahrheit: Alle Künstlerinnen werden nie zufrieden sein mit den Heimspielen. Vor allem wenn sie von auswärtigen Jurys übergangen wurden. Auch die beteiligten Institutionen werden mit den Heimspielen immer Ausstellungen auszurichten haben, die sie kuratorisch nur zum Teil mitverantworten können. So viel ist klar. Aber vielleicht können wir in der Ostschweiz mit einem neuen Vorgehen, das von den Erfahrungen aus den drei Heimspielen profitiert ein neues Modell lancieren, das den Gegebenheiten besser gerecht wird und wieder für Überraschungen gut ist.

Denn genau das ist die grösste Kritik am HEIMSPIEL 06: Alles auf der sicheren Seite, viele sichere Werte, sehr hohes Niveau, klar, aber keine Überraschungen. Und das kann und will man einfach nicht glauben, dass der Osten für keine Überraschungen mehr gut ist ...

Max: Heimspiel 06 in St Gallen: 1:2 für das Kunstmuseum




Heimspiel 06 - Ostschweizer Kunstschaffen - das ist der Titel, der alle Kunstschaffenden in den Ostschweizer Kantonen und Vorarlberg zum schwitzen bringen soll: Alles stehen und liegen lassen, sich endlich mal wieder mit der Konkurrenz messen und vielleicht ein kleines Stück vom Glück, ein bisschen Glanz vom Kranz abbekommen und das eigene Werk ins Museum stellen können - so würden es die Veranstalter gerne sehen. Doch was erwartet uns in den heiligen Hallen?


Die Liste der Künstler versprach Bekanntes ohne grosses Risiko. Beim Betreten des Kunstmuseums fielen mir als erstes die kulinarischen Freuden des üppigen Buffets in die Augen und beinahe war ich versucht mich daran zu laben, statt mich der Kunst hinzugeben. Trotzdem stieg ich die Treppe hinauf, die Gunst der Stunde nutzend und den Wortschwall im muffigen Keller meidend, nur Wenige taten es gleich um sich die Arbeiten in Ruhe anzusehen.
Jedoch, was geboten wurde war enttäuschend.

Und es ist nicht die Kunst, die enttäuscht. Der waltende kuratorische Overdrive hat alle Positionen, die im Museum vorgestellt werden glattgebügelt und auf Einheit getrimmt. Die einzelnen Arbeiten können sich nicht mehr behaupten und gehen unter im immer gleichen langweiligen Mittelmass, das als Präsentationsstandard vorherrscht. Alles ist sauberst gerahmt, hübschest arrangiert und artigst vermusealisiert. Die Kunst wird kuratorisch enthauptet, für die Ausstellung hygienisch verwurstet und wie beim Metzger um die Ecke fein häppchenweise arrangiert - grad so, dass sich eine schöne Museumsführung arrangieren lässt.
Das ist nicht nur gähnend langweilig, sondern tut auch den einzelnen Positionen nicht gut, die im allgemeinen Wurstsalat untergehen. Eine kleine zerstückelte Version des "kleinsten Gipfeltreffens der Welt" der Gebrüder Riklin ist unschön in eine Ecke gedrängt und im grossen Saal, der zu einem abgedunkelten Riesenkabinett umgewandelt ist, stehen ein paar Videoinstallationen herum wie gelangweilte Fische im Aquarium.
Alexandra Maurers Arbeit habe ich eine Weile gesucht und fand sie auf einem Fernsehbildschirm vertreten, neben anderen: Goldfischglas an Goldfischglas - ohne Sauerstoff zum Atmen.
Arno Oehris Arbeit wirkt wie ein Plakat für Alex Hanimanns Videokabine und die äusserst seltsam und unmotiviert platzierten Schildchen tragen das ihrige zur Verwirrung bei.
Schade eigentlich. Es bleibt nichts wirklich im Gedächtnis, denn alles perlt ab von der aseptischen Oberfläche des übereifrigen Arrangements.

Dass es auch anders geht zeigt die Kunsthalle. Dort ist alles nach dem Kuddelmuddelprinzip drüber und drunter arrangiert und vor allem der Sound der einzelnen Installationen vermischt sich zu einem schier unerträglichen Lärm, der es schwierig macht die Töne ihren Quellen zuzuordnen. Doch hat die etwas dilletantische kuratorische Vorgehensweise einen grossen Vorteil: Man beginnt genauer zu schauen, zu untersuchen und muss etwas Mühe aufwenden beim Betrachten. Die Werke beginnen miteinander zu kämpfen und müssen sich gegeneinander behaupten. So lassen sich Entdeckungen machen, die den Arbeiten ihren Eigenwert wieder geben: Hier darf der Betrachter selber entscheiden, wofür er sich interessieren möchte!
André Bless' Wassertropfen geht fast unter im Getöse und überrascht, wenn man ihn entdeckt.
"The Big One" von Com+Com streitet sich im offenen Farbabtausch mit Peter Stoffel und Walter Burgers kleine Scheunen stehen in der Ecke wie ein vorlauter Schüler aus der 2.Klasse.
Eva Kindlimanns bezaubernde kleine Arbeiten sind mit zwei Museumsbuchvitrinen so lausig im Raum platziert, dass sie den Betrachter ganz für sich einnehmen können, ebenso Aurelio Kopainigs Installation, die dadurch ihren Versuchscharakter nur noch verstärkt.

Kunst kann für sich selber stehen, das scheint mir das Fazit des Abends zu sein und Kunstwerken wirklich die Chance zu geben, sich frei entfalten zu können, sollte eigentlich die Vorgabe für jede Ausstellung sein.
Warum will ich denn sonst Kunst ausstellen, wenn ich ihrer Wirkung nicht vertraue?

Die Jury hat den Kuratoren eine schwierige Auswahl präsentiert, denn auch diese Schau ist sehr videohaltig. Dass dies nicht unbedingt besucherfreundlich ist, hat man im grossen Rahmen 2002 an der Documenta in Kassel erleben können. Ob diese Vorgabe inzwischen auch ausschlaggebend für die Zusammenstellung einer Ausstellung wie das Heimspiel war (ein bisschen Documenta endlich auch in allen Provinzen) oder ob die Kasseler Schau die Künstler überall in der Wahl ihrer Techniken beeinflusst, sei dahingestellt.

Ein wenig abseits im Projektraum exex präsentiert sich Alexander Hahn. Er passte wohl nicht ganz in das kuratorische Konzept der anderen beiden Institutionen. Ausserdem bietet das exex wieder einen Einblick in die Sammlung aller eingegebenen Portfolios: Dort kann man in Ruhe im Archiv des Ostschweizer Kunstschaffens kramen und Entdeckungen machen - vielleicht sogar die interessanteren.

Urs Küenzi bietet im Projektraum exex auch einen Crash-Kurs zur Erstellung einer perfekten Künstlerdokumentation an. Vielleicht wäre ein Crash-Kurs für Kuratoren auch noch eine gute Idee gewesen. (max)

Post Scriptum:
Was das Heimspiel zeigt, ist, dass es auch in der Provinz sehr gute künstlerische Positionen geben kann. Das Grundproblem einer Übersichtsschau ist und bleibt immer, dass es ein Gemischtwarenladen wird, der eigentlich eine kuratorische Herausforderung sein könnte.
Warum muss die Provinz immer so tun, als ob sie auch das Grosse kann? Können wir nicht endlich auch mal dazu stehen, dass wir Provinz sind und dort auch gut leben?
Warum müssen wir uns immer an den grossen Vorbildern anlehnen und deren unsaubere Ideen kopieren?

Zusätzlich schleicht sich durch die Hintertüre das Schollenproblem: Die eigene Scholle bewirtschaften, sehr eifersüchtig über die Erfolge der anderen wachen und schauen, dass man selber nicht zu kurz kommt und dabei so tun, als ob es die Welt da draussen nicht gebe (auweia - ich hab so Angst mal den eigenen Kanton zu verlassen)...
Herrgottnochmal - die Kunst wurde vor der Ostschweiz erfunden und es wird sie auch noch geben, wenn der Säntis längst platt ist und im Meer versunken sein wird. Und ich bin es leid dauernd schlechte Kopien von Künstlern zu sehen, die international bekannt sind, während man so tut, als würden diese nicht existieren.(So das musste auch mal sein).

Die ganzen politischen Probleme die bei dieser Diskussion mitschwingen, wie zum Beispiel, welcher Kanton mit wievielen Künstlern vertreten ist, welcher Kanton wieviel Geld zu diesem Spektakel zusteuert und wie die eigenen Künstler gefördert werden, das ist eine Diskussion, die ich aussen vor gelassen habe. Sie muss diskutiert werden, denn spätestens an diesem Punkt wird die ganze Organisation fragwürdig - allerdings besser während der Ausstellung oder sofort danach, denn dann werden die Weichen gestellt für die nächste Show in drei Jahren.

Die Institutionen Kunstmuseum und Kunsthalle können sich durch das Heimspiel einen schönen Batzen Vorteil herausholen: übertreffen doch die Besucherzahlen dieser Ausstellung alle anderen Projekte, die sie sonst präsentieren und sie bekommen eine kostengünstige Ausstellung geliefert. Für soviel Eigennutz wäre auf alle Fälle Sorgfalt gefragt.
Die Umsetzung des Heimspiels überzeugt nicht und hat es auch vor drei Jahren nicht wirklich getan. Was herausgekommen ist, ist eine gelungene desinfizierte Wursttheke, mehr auch nicht.
In jedem Fall stellt sich die Frage, wie es besser gemacht werden könnte. Auf diese Diskussion bin ich gespannt und möchte sie gerne eröffnen.

06 February 2007

Brandl: The Nine Arts and the Nine Muses

There are traditionally Nine Muses and Nine Arts, frequently linked to one another. My Latin professor Dr Clemens Müller and I have concocted a fresh, contemporary version of this system for no darn reason other than pure, arcane fun.


In Greek mythology, the Muses are nine goddesses who personify fields of artistic endeavor. They are used in modern times to refer to inspiration, often with creators half-jokingly referring to their own personal artistic muse, as if they were a form of quirky guardian angel with endless numbers but unpredictable demands. In addition, the word amuse has its roots in their name.

The number of Muses began as three, quickly expanded to four and finally, still in ancient Greek times, to nine. The Muses were not assigned standardized divisions of poetry/song until late Hellenistic times. The assignments themselves were not completely hard and fast even then. Apparently, in the 19th century, that age of grand systemizing, various "duties" and forms of art were assigned to them, with which they are now identified, although there are several versions of the system.

Likewise, traditionally, there is a numbered list of the Arts. The number itself has varied widely, from five to nine, generally. Originally they were all versions of poetry and literature, with the addition of dance, comedy (theatre), tragedy, and usually history and astronomy. To the ancient Greek, all forms of literature were forms of poetry, and therefore of music, as poetry was sung. Ricciotto Canudo, an Italian film theoretician living in France, claimed in 1911 that film was the sixth art. Later, Canudo renumbered his list, in the article Reflections on the Seventh Art, making film the seventh. Then, in 1964 Claude Beylie, a leading French film academic, said that comics were the ninth art, as Beylie felt that television was the eighth.

As I said above, the Muses, usually nine, were often assigned art forms, especially in the 19th century. This activity began to cross with that of numbering the arts to produce various strange and enchanting lists. One common one was the following:

Calliope was the muse of epic poetry. Clio was the muse of history. Erato was the muse of love poetry. Euterpe was the muse of music. Melpomene was the muse of tragedy. Polymnia was the muse of sacred poetry. Terpsichore was the muse of dance. Thalia was the muse of comedy. Urania was the muse of astronomy.

However, nowadays it is usually different — we see history and astronomy as sciences, so Clio and Urania have to get other jobs. Additionally, we see all poetry as one art form, so Calliope, Erato and Polymnia have overlapping functions. We also think theatre is one thing, not comedy and tragedy as separate, so Thalia and Melpomene have to work together.

Taking into account current divisions, utilizing Clemens' vast knowledge (he is also a scholar of ancient Greek), thus considering the meanings of the Greek names of the Muses, here is Clemens' and my list, for our Postmodern times:

Shark Version

The Nine Arts and Nine Muses

1) painting (including drawing and photography) — Polymnia
2) sculpture (including installation) — Clio
3) theatre — Melpomene
4) architecture — Urania
5) music — Euterpe
6) dance — Terpsichore
7) literature — Calliope
8) cinema ("moving images" in whatever technological format,
so also TV, video, etc.) — Erato
9) comics (now universally called the ninth art, the only really fixed
"number term" nowadays, and the most recent) — Thalia


Some notes:
Polymnia, all painting is somehow sacred, celebrates vision; her name means "many hymns," but is not exclusively sacred, it also means "many songs of praise," "many paeans," "many expressions of joy." That's painting to me. Drawing as an aspect of painting is clear, but also photography is, I believe, indeed photo-graph-y, i.e. "drawing with light," thus a form of painting.
Clio, sculpture was originally born of works of commemoration, seeking "monumental presence." A solid remembrance, related to Mneme, the unnamed precursor of the Muses, the Muse/goddess of memory. Clio's name is from the root meaning "recount" or "make famous".
Melpomene, because tragedy is clearly now the queen of drama. There is an enduring tradition of paintings of famous actresses posed as Melpomene.
Urania, " heavenly measure," mathematics embodied, is now more architecture than astronomy.
Euterpe, she keeps her original job, which was one of the few rather fixed points, and her name means rejoicing/singing well, singing with delight, to please well.
Terpsichore, she too keeps her traditional assignment, and her name fits it well ("delight of dancing").
Calliope, because literature, whose queen is nowadays the novel, was all born of epic poetry; "beautiful-voiced," "beautiful speaking.".
Erato, well, you know --- love stories, eroticism, reigns in movies; even the fact that "eros" implies a more superficial form of love seems appropriate; one of her sites was a pilgrimage place for star-crossed lovers in ancient times; her name means something close to "lovely."
Thalia, (meaning “blooming,” "flourishing," the amused muse), because the term for comics in most languages (incl. comics, funnies, manga, etc.) is a form of "comic story" or "amusing art."

Image: The Dance of Apollo with the Muses, by Baldassare Tommaso Peruzzi, early 1500s

28 January 2007

Belcher, from the UK: Terra Incognita???.....hardly...














Terra Incognita: Parade 1: Review



First of the Angel Row Nottingham's attempts (finally) to showcase the best art in Nottingham and adjacent ’shires’. As the work was ‘curated’ out of that submitted it gives a partial overview of where the City and surrounds stands in the ‘international art world’ or IAW for short. This particular IAW is spoon fed to artists, educators and students as the only IAW i.e. the one that is commercially viable or supported by government subsidy. IAW is depicted and debated intensely in the kind of magazine you find in the resource room of the Angel Row Gallery.

The first thing that struck me on entering this show was that it certainly looked like a show in Miami, Dusseldorf or Madrid. There was an entertaining mix of genres. Projection, TV/video, painting and floor pieces. This fitted neatly into the kind of pictures the IAW likes to classify itself by….adventurous, cross-border etc etc.

But what of the work’s actual quality? Well the most striking and probably most effective piece was Anita R Mudaliar’s cut and paste black and white children’s book illustrations projected on the wall. Not only a genuinely creepy piece but one which grabbed your attention and did not let it go. The kabbalistic floor-pieces were slight, the ‘Silesia’ paintings were too close to Richter in Godley’s case to be truly original and he has better work elsewhere..these are playing to the gallery. The other painter was let down by bad placing and the photographs seemed to be straight out of the local college textbook of slightly surreal and oblique. Simon Withers collages without the content were a good idea realised badly and again suggested some back issue of Frieze or Artforum than a genuine match of form and content.

The curation was tight and there did seem to be a genuine attempt to mirror the trendy title.. 'terra incognita' indeed.. sadly not this particular world as it is one I have seen many times before and it’s called the IAW. There is a wealth of other ‘art’ and other experience in this corner of England but it did seem ( subsequent shows showcasing the same artists) that work was selected for its ability to mimic the curator’s ( all outsiders ) approach and wishes rather than a genuine attempt to grasp the realities of the place.
Taking chances is not in the developing curatorial remit perhaps.

On a positive note the sheer fact of having taken the plunge (financial practicalities and local politics aside..would this show ever happened but for the regenerative fallout of CCAN?) meant that we got to see a fairly thin slice of the art being produced here that believes it can be IAW compliant. Is it good? To be frank much of it was good enough but none of it was excellent. Nobody here is ever going to be A-List and that not carping that an aspect of reality that sometimes lost in the thrill of exposure. More realism about prospects, more interaction of good local artists with education and community and we have a better future. Without raining on the parade Nottingham and its artists and its people deserve and should get better.

25 January 2007

Max: Kulturmedien trocknen aus!

Eine kleine Anmerkung am Rande, weil es gerade wieder mehr als aktuell ist:
Unbemerkt schleicht die Verarmung der Kulturmedien daher. Nachdem das Tagblatt den Kulturteil merklich zusammengestrichen und Teile fast unbemerkt unter den Tisch fallen lies, zieht die Thurgauer Zeitung nun nach. Von Kulturredaktionen mag man da kaum noch sprechen, eher von Agenturberichtverwaltungspositionen. Abgesehen davon, dass wichtige Arbeitsplätze im Kulturbereich einfach so verlorengehen, verstummen für uns Kulturschaffende wichtige Möglichkeiten unsere Arbeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Die Thurgauer Kunstgesellschaft hat in ihrer letzten Sitzung auf diesen Umstand aufmerksam gemacht (TZ 23.1.07). Eine lebendige Kunstszene braucht die Medien zur Unterstützung ihrer Arbeit, denn diese wird erst durch Vermittlung bekannt. Und das ist in der Provinz wichtiger denn je. Vor allem in einer so aktiven wie in der Ostschweiz!

22 January 2007

Richi K: Slam: Immer noch besser als Kunst



Slam: Immer noch besser als Kunst, hiess es da von anonym in einem Kommentar zu meinem letzten (ersten) Blog. Wie soll das denn zu verstehen sein? Besser ist ja grundsätzlich gut, besser als irgendwas zu sein ist ja schön und vermutlich sollte es ein Kompliment sein (sicherheitshalber mal einen schönen Dank an anonym) oder war es doch eher ein Schienbeintritt an die Maler und Gestalter in diesem Forum und das „immer“ ist als „immerhin“ zu nehmen? Wie dem auch sei, aber Slam soll besser als Kunst sein? Slam soll keine Kunst sein? Seit wann wird denn Literatur, Poesie und Schriftstellerei nicht mehr als Kunst betrachtet?

Aha, wird mancher da wohl denken, jetzt lehnt sich da aber einer weit zum Fenster raus. Poetry Slam mit Literatur und Schriftstellerei in Verbindung zu bringen, jetztaberauch! Diese Gassenspracharbeiter, diese verhinderten Comediens und zu spät geborenen Beatniks machen doch nur den Hampelmann vor einem unkritischen Publikum. Da kann man kaum von Lyrik sprechen oder von Poesie.

Zugegeben: Poetry Slam ist eine offene Bühne, jede und jeder kann mitmachen und deshalb wird wohl auch alles zu sehen und hören sein. Und nochmals zugegeben: Poetry Slam soll Unterhaltung sein, ein etwas ganzheitlicheres positiveres Erlebnis als eine Welteruntergangsdepri-Lyrik-Lesung mit still in sich selbst versunkenem Publikum. Und doch: Ich bestehe darauf. Poetry Slam ist Kunst. Poetry Slam ist den Klang der Worte erforschen, Sprachrhythmen entdecken, Stimmungen entwickeln und einen Text so zu transportieren, wie es dessen Inhalt auch verdient. Poetry Slam ist das Spiel mit der Sprache, mit der Stimme und mit dem Publikum. Wer schon einen Vollblut-Slammer erlebt hat, wie er seinen Text nicht nur vorliest sondern vorlebt, mit seinem ganzen Körper den Text ist, wird wohl zugeben, dass dies eine Kunst ist. Ob diese Kunst dann auch Literatur genannt werden darf, darüber sollen sich andere die Köpfe einschlagen.

Und man kann sogar noch weiter gehen und den Kunstbegriff noch mehr strapazieren. Die Gestaltung und Organisation eines Slams ist an sich schon ein kunstvoller Prozess. Lokalität, Moderation, Rahmenprogramm und Gast-Slammer müssen ausgewählt werden, der Abstimmungs- und Auslosungsmodus muss bestimmt werden und dann natürlich noch die ganze Promotion. Alles Elemente, die komponiert werden müssen und die sich auf den Abend als Erlebnis auswirken. „Event-Management nennt man das“, werden jetzt wohl Kritiker meinen, „und dafür gibt’s ja Kurse in der Migros-Klubschule.“ Mag wohl sein. Aber die Aufgaben eines Slam-Masters, der für die Veranstaltung verantwortlich ist, gehen doch noch weiter: Oft ist er auch Gastgeber, Betreuer und als Slam-Philosoph auch mitbeteiligt an der Entwicklung der Szene und damit der Kunst selbst. Fast ein Kurator, fast ein Manager aber nicht nur, Slam-Master sind in erster Linie Idealisten für die Sache Poetry Slam.

Da liegt vielleicht das, was immer noch besser als Kunst ist: Poetry Slam lässt sich nicht (und hoffen wir nie) verwalten und steuern oder gar als besser verkaufen als er ist. Ein Poetry Slam ist immer so gut, wie er an diesem Moment ist, wie es das Publikum findet und wie es dies zum Ausdruck bringt.

Und sollte da einer kommen und nicht zufrieden sein, darf er gerne auf die Bühne kommen und es besser machen. Poetry Slam grenzt nicht aus. Und klammert sich schon gar nicht an den Anspruch Kunst zu sein. Denn das einzige was Slammer wollen ist Respekt.

18 January 2007

Brandl: Heimspiel 06 - A Disaster, Short Description in English


ENGLISH

HEIMSPIEL 06 - A DISASTER AND AN INSULT


Okay, I've now been through the so-called Heimspiel Exhibition of 2006 several times with varying company. Let me say what everyone is whispering, but not openly proclaiming: This is one of the WORST exhibitions I have every seen. It is predominantly third-class, minor-league variations of Curatorially Correct trendy artworld nonsense. Or when one sees a good artist, such as Katja Schenker, she is poorly presented. There are a handful of exemptions, such as Marianne Rinderknecht, but interestingly these are primarily from the "real" Heimspielers (i.e. they actually live in the area the show is purported to be about and have something to do with the art scene there). This review is short. Too short. But sometimes, perhaps, a review's length should reflect what amount of discussion an exhibition deserves. More later --- or quite conceivably not.

What is clearly need is an OPEN and clear discussion of what is needed, what must be done to create a REAL exhibition of Ostschweizer Kunstschaffenden, Artists of Eastern Switzerland. Such shows as the current one, and most of the others before it (where my art was often present) are and were nothing more than veiled insults to artists living and working here. These shows must exist in the service of the art created here, so-called regional art, not as curatorial tools to insult the same. It all has certainly NOTHING to do with Josef Felix Müller's, and the rest of us who worked with him, original idea when the show was founded. Visarte-artists, independendants, Exex-ers, and others need to get together and come up with an AUTHENTIC, positive, Ostschweiz-art-bolstering conception of how to do such a show. This show can sink no lower.

09 January 2007

Brandl: B.A.S. Podcast on Jeff Hoke, Museum of Lost Wonder


I, Mark Staff Brandl, have once again contributed to a "podcast" for the renowned internet art podcast sender in the US, Bad at Sports , or "B.A.S." as they are fondly known.

(For those who don't know, a podcast is a kind of download-able radio broadcast on the internet, which many people listen to on their computers or on their mp3 / iPod players, technically a "multimedia file distributed over the Internet using syndication feeds, for playback on mobile devices and personal computers." )

Link to download here.

Link to blog discussion with tab for direct listening here.

For my contribution this time, I'm discusing a work of art in book form by a California artist: The Museum of Lost Wonder by Jeff Hoke. But books are "global" anyway.

Yes, this is a book, but what a book, an artist's book, a wonder. ... It has text, paintings, cartoons, diagrams, cut-and-paste models and more, all united into one mammoth gem, a banquet for the eye, mind, soul, and imagination --- a strange amalgamation of science volume, esoteric textbook, graphic novel, painter's catalogue, psychological manual, do-it-yourself, think-for-yourself activity book and sprawling, gorgeous dream. Hoke's tome is encyclopedic, drawing on all the influences I have already mentioned, but also philosophy, astronomy, religion, biology, physics, psychology, quantum physics, and Tibetan Buddhism. That may sound scary or overwhelming --- but the true strength of Hoke's book lies NOT only in its fascinating breadth, but in the clarity with which it all fits together --- and the joy in discovery and wonder that arise in me every time I dip back into it.

This is indeed the preeminent work of art ex-Chicagoan Hoke has created, a culmination of at least 20 years of work and research, as far as I can see. It is a dazzling pièce de résistance. And one of the best works of art in any field or genre to have come from an American. A celebration of Wonder Re-Found.

His web site is www.lostwonder.org/

Where there is an interactive tour of the museum. It's a freebie people can enjoy ---something fun without buying the book.

06 January 2007

Oliver Kielmayer: New We Are The Artists


The newest We Are The Artists publication is now available, either at most Swiss museums and Kunsthallen, or as a direct pdf download. This is an enjoyable newspaper/newsletter based in Zurich with the involvement of curator Oliver Kielmayer, artist Clare Goodwin and her K3 people. As Kielmayer writes:

WeAreTheArtists 9 out now!
Updates from Belgrade, Brasov, Pristhina, Rotterdam, Tsuchizawa and Zurich

Art and the City
ArtsCharts from Zurich
Centrefold by John Stutton

Check out for hard copies at leading places for contemporary art around the world
Pdf download available on www.wearetheartists.net

Get real!

Image:
Code Flow, Luncheon on the Grass – postproduction by code flow, 2006, videostill


01 January 2007

Happy New Year



 



Happy new Year - all best for a peaceful and prosperous 2007

from Goldfactory ....Nottingham, England

25 December 2006

Merry Christmas

Schöne Weihnachten, fröhliches Hannukah, frohes Julfest, io Saturnalia, frohe Wintersonnenwende, schöne Kwanza, usw. --- and Happy New Year --- von Swiss Art Sharkforum!

08 December 2006

Max: Kunst im Zeitalter ihrer virtuellen Materialität




Wenn wir die Moderne als eine Reaktion auf die Industrialisierung und die daraus notwendig gewordenen gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Veränderungen verstehen, können wir den Akademismus des 19. Jh. und die historistischen Auswüchse in Architektur und Design anders wahrnehmen.
Unter dem Druck Vorlagen für industriell herstellbare Waren zu finden, war es einfacher in Völkerkunde- und Bauernhofmuseen nach der guten handwerklichen Form zu suchen, als sie sofort neu zu erfinden. Auch für die neu entstandenen Fabriken, Bahnhöfe und Elektrizitäts-, Wasser- und Gaswerke boten sich die bisherigen Vorlagen von Grossbauten, also Kirchen, Burgen und Schlösser an, hinter denen sich, die noch neue und ängstlich betrachtete Technik verstecken konnte, ohne gleich als Bedrohung verstanden zu werden.
Die Rückkehr zu traditionellen, akademischen Themen und Darstellungen halfen die Illusion aufrecht zu erhalten, dass sich im Leben eigentlich nichts wirklich verändert hatte und das neu aufstrebende Bürgertum konnte sich mit Insignien ausstaffieren, die vorher dem Adel vorbehalten waren.

Die Künstler der Kernepoche der Moderne fungierten so als enfants terribles, die versuchten auf die Entwicklungen der Zeit einzugehen, sie darzustellen, mit ihnen umzugehen und für die Kunst einen Platz zu suchen, der ausserhalb der Tradition und der Geschichte stand. So wurde die Kunst politisch, zum Teil agitatorisch und musste notgedrungen auch provokativ werden. Die politischen Entwicklungen des Sozialismus und Kommunismus, die zu Beginn noch fördernd für die neuen Ideen in der Kunst gewirkt hatten, drehten dieses Verhältnis sehr schnell um, sobald sie an der Macht waren und versuchten die Kunst als ideologisches Sprachrohr zu instrumentalisieren. Zu gross war die Furcht vor der Macht der Künstler und ihrer freigeistigen Ideen, die „zersetzend“ für die neu etablierten Systeme wirken konnten, wenn sie ihre Mittel gegen sie eingesetzt hätten.

Was danach kam an Entwicklungen in der Kunst, wird seither diskutiert und in immer neuen Formen von Post- Postpost- oder Postpostpostmodernen eingeteilt - die Übersicht über das ganze Feld ist lange schon verloren gegangen.
Die Avantgarde-Idee als tragende Kraft der Moderne, die in der Postmoderne weiter verfolgt wurde, hat Hannes Böhringer in seinem Aufsatz: Attention im Clair-obscur: Die Avantgarde (z.B. in Aisthesis, Leipzig 1990) ausführlich diskutiert und als gesellschaftlich-dekadentes Spiel einer gelangweilten Kunstgemeinde dargestellt. Diese Formen der Kunstentstehung und Wahrnehmung sind für die zeitgenössische Kunst nur noch bedingt aktuell.

Doch, was geschieht wirklich?

Wenn wir uns im rein Kunst-immanenten Raum von Produktion, Ausstellung, Rezeption und Kritik, Verkauf und Sammlung bewegen, schaukeln wir in einer kleinen Schaluppe des Wissens über ein endloses Meer der Möglichkeiten, dem Paul Feyerabend nicht umsonst die Charakteristik „Anything goes“ zugestanden hat.

Man könnte hier natürlich einflechten, dass dies kein Wunder sei in einer Zeit, in der die Intellektuellen von einer Philosophie des Strukturellen und Fragmentarischen bestimmt werden und Universalismus als unmögliche und ausgestorbene Tugend siechender Kulturleichen betrachtet wird. Dass diese Geisteshaltung in einem Land mit einem stark zentralistischen System entstanden ist, das noch aus einer anderen Zeit stammt und dessen kulturelle Bildung stark akademisch und auf Bewahrung ausgerichtet ist, wird dabei gerne unter den Tisch gekehrt oder gekonnt übersehen.

Nach der industriellen und technischen Revolution im 19. und frühen 20. Jh. setzte eine Veränderung ein, die sich weniger auffällig in unser Alltagsleben geschlichen hat, aber immer präsenter wird – eine mediale Revolution. Radio und Fernsehen begannen die Zeitungen zu ersetzen, die Telekommunikation mittels Computer, Internet und elektronischer Post entstand, durch die Privatisierung von Radio- und Fernsehstationen öffnete ein Marktplatz, der die Welt kleiner werden liess. Im Eifer des Gefechtes und in der Freude über die neuen Möglichkeiten bescherte uns diese Entwicklung die Illusion, dass jeder Mensch alle Informationen immer und überall abrufen können wird.

Wir sind täglich einer Informationsflut ausgesetzt, die unser Leben dauernd mit neuen Bildern, Geschichten und Zusammenhängen konfrontiert und die eine wirkliche Übersicht nahezu unmöglich macht. Die Welt in unserem Kopf wurde kleiner, die Welt da draussen wurde es nicht. Die alltäglichen Probleme des Menschen des frühen 21. Jh. verlagern sich nun zunehmend in einen virtuellen Raum. Geld, Waren, Werte werden in der Virtualität geschaffen und verloren, Beziehungen werden über digitale Fotos und durch elektronische Nachrichten geknüpft, jeder Mensch kann Informationen über sich und die Welt veröffentlichen, seine Ideale und seine Perversionen entfalten, seinen religiösen oder politischen Gefühlen Ausdruck geben. Auffällig wird dies nur, wenn die Virtualität in das reale Leben einbricht.

Unser Leben wird immer konzeptueller und da das Leben die Kunst inzwischen eingeholt hat, versucht die Kunst das Leben zu erhaschen.

Was heisst das für uns Künstler? Ich weiss es nicht.

Ich sehe die Entwicklungen und Tendenzen: Künstler imitieren Wissenschaftler, Firmen oder den Alltag, sie benutzen traditionelle Techniken und malen und meisseln, sie werden Agitatoren oder Dokumentarfilmer, sie spielen mit den neuen Techniken und alten Vorstellungen – und zugleich wird langsam deutlich, dass es nicht darum gehen kann, in dieser Zeitepoche einen allgemeingültigen Stil, noch einen oder mehrere Ismen zu finden um das alles einmal ordnen zu können.

Vielleicht sollten wir den Blick wenden und überlegen, ob nicht auch die Kunst endlich ihre demokratische Wirklichkeit gefunden hat. In einer Demokratie bestimmt eine Mehrheit und die Minderheit geht in die Opposition, bis sie eine Mehrheit geworden ist. Unser Wertesystem – ob virtuell oder real – funktioniert vor allem über monetäre Vorstellungen und erfolgreich ist auch der Künstler, der es schafft sich monetär zu bewähren. Geistige Ideale und Vorstellungen sind schwerer zu bewerten und in der virtuellen Realität veraltet, sobald sich die Aufmerksamkeit einer neuen Sensation zugewandt hat. Die Kunst war und ist in ihrer Ausdrucksform immer elitär gewesen. Wir geben uns manchmal den Illusionen hin, dass dies anders wäre. Wenn dem so wäre, müssten wir Künstler unsere Strategien ändern. (max)

05 December 2006

Richi K.: Und Poetry Slam auch...




Ich soll hier also auch schreiben.
Darf.
Mark hat mich halt angefragt, ich habe zugesagt, deshalb vielleicht „dürfen“ richtiger und das „sollen“ kommt eher von Gefühl, mich zu überwinden.
Überwindung?
Nun ja, ich habe noch nie in einem Blog geschrieben. So öffentlich. Beim Tagebuchschreiben bin ich drei Mal gescheitert und habs dann sein lassen, das heisst nein, einmal hab ich’s noch mit einem Tonband versucht aber ich redete nur Blech und jetzt so öffentlich schreiben...
Dabei bin ich mich ja gar nicht mehr richtig gewohnt meine Worte nur so in Zeichen zu präsentieren so ohne Ton und Bewegung und Blickkontakt und so.
Und lesen tu’ ich eigentlich auch recht selten in Blogs, kenne diese Form eigentlich ziemlich nicht, und zudem bin ich mir nicht sicher, ob mir überhaupt genügend Material zum Thema zur Verfügung stehen wird, denn ich werde mich hier ausschliesslich mit Poetry Slam befassen.
Poetry Slam.
Diese neuartige, oder besser wunderbar recyklierte, mhm, Kunstform (und ist Poetry Slam nicht auch etwas Lifestyle?) hier in diesem Haifischbecken...
Ist das hier noch Untergrund-Subkultur?

Muss ich hier erklären, was Poetry Slam ist?
Nein.
Darüber wurde schon genug geschrieben.
Wenn Sie es nicht wissen, haben Sie etwas verpasst
Und Nachholbedarf.
Gehen Sie auf’s Netz: www.wikipedia.de, www.poetryslam.ch
Oder auf all die Homepages von Veranstaltern von Poetry Slams in der Schweiz.
Und wenn Sie sich erschlagen lassen wollen: www.google.com.

Es ist ja doch vielleicht Zeit für einen Slam-Blog im Swiss Art Sharkforum.

Haben Sie schon einmal von Poetry Slam gehört.?
Waren Sie schon sogar schon mal an einem Slam?

Die Frage ist noch immer spannend.
Wenn man erlebt wie eine Szene entsteht und sich entwickelt, immer mehr Menschen sie wahrnehmen, dazustossen, und sich doch noch so viele Neulinge bei der Entdeckung begeistern lassen... da will man noch wissen, wann jemand entjungfert wurde.

Noch nie waren die Veranstaltungen so zahlreich, die Vernetzung der Szene noch nie so intensiv und der Erfolg der Schweizer Slammer noch nie so gross.
(Ui, und jetzt wird’s euphorisch)
Und: Ein Ende ist nicht in Sicht.
Wir wissen nicht wohin es führt.
Poetry Slam an Schulen.
Poetry Slam auf DRS1
Poetry Slam auf SF1
In der !yam, der Bravo, in der Annabelle, im Blick und der Sonntagszeitung, im Tagi-Magi
Im Westdeutschenrundfunk
Und wir spielen mit.
Auf dem Marsch durch die Institutionen?

Schaun’ ma mal. Ich schreib davon.

Aber eigentlich wollte ich nur „Hallo“ sagen...