Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

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13 August 2009

Kongress für kulturelle Freiheit 1


Die Entwicklung der Kultur wird und wurde massgebend immer auch mitbestimmt von den Bedingungen, unter denen sie stattfindet.


Dass die Freiheitsstatue der Kultur eine Attrappe ist, die unter ihrer lächelnden Maske, ihre Fratze der Manipulation versteckt, wird der breiten Masse solange wie möglich vorenthalten. Denn das Volk kann sich wie in vergangenen Zeiten auch schon, von Opium ernähren. Das politische Interesse und die Teilnahme am demokratischen Prozess, soll Sache der gewählten Vertreter und Vertreterinnen bleiben, welche für ihr Tun nicht zur Rechenschaft gezogen, dafür Sorge tragen, dass die "neoliberale Statue" auf dem Terrain des grenzenlosen Wirtschaftswachstums stehenbleibt und zwar so, wie sie mit allem Drum und Dran eben ist !


Liebes Volk, lass die Finger von der politischen und kulturellen Programmgestaltung... überlass es lieber den Gewählten, die dann schon das Beste daraus machen. Zum Beispiel Freizeitparks, oder Supermärkte bauen, wo wir unser demokratisches Verständnis dann ganz praxisbezogen ausleben dürfen. Die Shoppingreservate der Wahlfreiheit haben uns das Paradies zurückbeschert, denn hier können wir selbstbestimmen, welche Vergnügungsbahn und welche Verkaufsregale wir im breiten globalisierten Sortiment nutzen wollen, damit die Wirtschaft wieder angekurbelt wird.


Und weil sich dieses Betriebssystem, den Wohlstand für Alle versprechend, bewährt hat, bringen wir es auch im kulturellen Leben zum Tragen. Denn auch hier haben wir die gewählten Fachleute, die schon wissen was Niveau hat, was gefördert, präsentiert und publiziert werden soll und was eben nicht. So wie es die Lobbyisten der Konzerne im Parlament tun, tun es für uns die Kuratoren in der Kulturkommission. Und das sind keine Vetterliwirtschafter sondern Volksvertreter. Die Bedeutung von Kuratorium heisst bekanntlich richtig übersetzt Vormundschaftsbehörde. Hier werden die Rahmenbedingungen der Kultur über Bildungs,- und Vermittlungsstrukturen, Subventionsmassnahmen und Zulassungskriterien festgelegt. Aber Achtung...da blinzelts wieder unter der Maske der grossen "Libera". Die teilnehmenwollenden Kulturschaffenden werden doch liebevoll an der Hand genommen und aufnahmebedingt ans Gängelbändchen gelegt.

Wer heute im Kulturbetrieb erfolgreich sein möchte, muss zuerst ein entsprechendes Profil entwickeln, das passt, damit dieses auf der Zahnradbahn greift, die ihn auf den Gipfel der kulturellen Möglichkeiten befördert. Die Züge stehen in alle Richtungen aufgegleist bereit.
Täglich sind die Medien voll von glücklichen Gewinnern der Konkurrenzwettbewerbe auf der Fahrt zu den Gipfeln über den Wolken, worunter die Täler der Armut und Arbeitslosen aus dem Blickwinkel verschwinden.
In solchen Verhältnissen wäre es nun an der Zeit dringend einen Kongress für die kulturelle Freiheit ins Leben zu rufen. Denn in Anbetracht dieses regulierbaren Plankulturbetriebes, ist künstlerische Freiheit längst zur Farce geworden. Doch gab es bereits eine solche Organisation, die zwischen 1950 und 69 unter dem Namen "CCF Congress for cultural freedom" operierte.
Wie schon oft aber bei Organisationen geschehen, wurde auch hier erst später bekannt, dass hinter den Aktivitäten der Organisation, Geldgeber sprich Kontrolleure standen, in diesem Falle der amerikanische Geheimdienst CIA, durch den dazumal im Klima des kalten Krieges, verschiedene europäische Zeitschriften und Kunstschaffende, in Kampagnen gegen die damaligen kommunistischen Lager, zum Teil ohne ihr Wissen hineingezogen und instrumentalisiert wurden. So sind auch heute die Fragen rund um den instrumentalisierten Kulturbetrieb bzw. zu den dienstleistenden Künstlerfunktionen, aktueller denn je.

4 comments:

Gerda Tobler said...

Lieber Elias,
habe soeben deinen Text im sharkforum gelesen. Der Elias Wundersam schreibt gut und seine beobachtungen sind so scharfsinnig und bissig, wie es sich für einen zahnreichen, listigen Haifisch gehört.Aber ich habe mich dann schliesslich doch gefragt, ob soviel Bissigkeit dir und der Welt wirklich gut tut, im Sinne von : kannst du so wirklich auf fruchtbare Art und Weise etwas zu Veränderungen in Richtung mehr Leben und Freiheit beitragen ? Macht einem diese Art von Beissen wirklich satt oder nicht eher noch hungriger ? Mir jedenfalls ging es so, denn ich übte mich in jüngeren Jahren selber fleissig in solchen und ähnlichen Weisen, bis ich schliesslich immer bitterer, trauriger, pessimistischer, wütender und sehnsüchtiger wurde. shnsucht nach... doch das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls versuche ich nun, in meinen reiferen Jahren, die Dinge von der anderen Seite anzugehen und die Welt von der wir uns dauernd ein Bild machen, resp. Bilder vorgesetzt erhalten, auch in einem anderen Licht zu sehen. Seither schöpfe ich meistens aus einem anderen, viel grösseren und aufregenderem Teich mit hoffnungsfrohen Potenzialen. Aus der Fülle Denken und Handeln und nicht mehr aus dem Mangel, mich dem zuwenden, was ich wirklich will und was mir sinnvoll scheint,
und nicht mehr wie hypnotisiert auf all jenes starren, was ich als zerstörerisch, öde oder schlecht erkannt habe/betrachte und nicht mehr will. Denn alle diese Negationen sind nimmersatte Energiefresser, auch auf Herzensebene. Mutige, mitfühlende und zärtliche Helden und ProphetInnen, das ist es, was die Welt heute braucht, finde ich. Ich hoffe du verstehst meine Gedanken nicht als Abwertung deiner Gedanken, denn so ist das ganzundgarnichtundkeinesfalls gemeint. Ich möchte hier lediglich- auch zur Hebung des lädierten Images des Hais- an die lebensförderlichen und sanftmütigen Seiten dieses gefürchteten Fisches erinnern...

Gerda Tobler

Anonymous said...

Oh danke Gerda,für deinen reichen Kommentar...tja so ist es, wie man in den Wald hineinruft, so tönts heraus...!als ich in jungen Jahren mit Esel und Ziegen fern ab in Zwiesprache mit den stillen Begleitern des Weltgeschehens zu korrespondieren begann, sprach das Zeitwesen von den Oekologien und Harmonien des werdenden Stroms der Entwicklung, die wir mit biodynamischer Landwirtschaft und spirituellem Alltag begleiten wollten...der böse Hai kann auch ein frommes Lämmlein sein ! Doch im Treiben der Welt folgten die Geschicke des Wollens auch den Gesetzmässigkeiten des Bodens, seiner Beschaffenheit, samt den kanalisierten Strecken...und die Flüsse trieben jahrzehnte voran.
"Auf fruchtbare Art und Weise" etwas verändern zu wollen ist der Weg der im Flusse Fahrenden, schwimmenden und Treibenden...es gibt getarnte,glitzernde, gefährliche und unscheinbare lebewesen in den Strudeln, an Ufern und auf Inseln in Stadt und Land.
"Der andere, viel aufregendere Teich der hoffnungsfrohen Potenziale" ist keine andere Schöpfung. Er gehört mit zu den Weltgewässern der Lebewesen, die Fülle und Mangel erleben, auf Grund ihrer Konstellation, ihres Schicksals und ihres Denken, Fühlen und Wollens und ihres Aufenthaltes.
Es gibt auch gefährliche Haie, die in Becken schwimmen, Goldfische im Glas und Vögel im Käfig. Was erfüllt sie und was mangelt ihnen ?
Die lebensgemässen Bedingungen ? Es gibt auch Gaukler und Narren, Gelehrte und Besserwisser, Positive und Negative, Geliebte und Geschmähte, Erfolgreiche und Verlierer, Verbesserer und Verschlechterer... So können wir etwas mitteilen So oder So...immer sind da Kommunikatoren und Rezipienten, die so oder so sind, die ja oder nein sagen und wieder sind wir auf dem so oder so beschaffenen Boden, dem Besäten, dem Umgepflügten, dem Vergandeten, dem Ignorierten, dem Gekauften, dem Erstarrten und sich Verwandelnden... REZEPTION, PERZEPTION...KOGNITION !
Sagen wirs einfach, singen wir es, malen wir es, sprechen wirs aus, belächeln wirs, beachten wir es unvoreingenommen, nichtinstrumentalisiert, so wie uns der Schnabel gewachsen ist...

Anonymous said...

oh danke Gerda, für deine reiche Antwort...tja so ist es, man ruft in den Wald hinein und es tönt heraus...! Als ich in jungen Jahren mit Esel und Ziegen fern ab in Zwiesprache mit den stillen Begleitern des Weltgeschehens zu korrespondieren begann, sprach das Zeitwesen von Oekologien und Harmonien des werdenden Stroms der Entwicklung, die wir mit biodynamischer Landwirtschaft und spirituellem Alltag begleiten wollten...der böse Hai kann auch ein frommes Lämmlein sein.
Doch im Treiben der Welt folgten die Geschicke des Wollens auch den Gesetzmässigkeiten des Bodens, seiner Beschaffenheit, samt den kanalisierten Strecken...und die Flüsse trieben Jahrzehnte voran. "Auf fruchtbare Art und Weise etwas verändern" zu wollen ist der Wg der der im Flusse fahrenden, schwimmenden und treibenden...es gibt getarnte, glitzernde, gefährliche und unscheinbare Lebewesen in den Strudeln, an Ufern und auf Inseln in Stadt und Land...
"Der andere, viel aufregendere Teich der hoffnungsfrohen Potenziale" ist keine andere Schöpfung. Er gehört mit zu den Weltgewässern der Lebewesen, die Fülle...und Mangel erleben, auf Grund ihrer Konstellation, ihres Schicksals und ihres Denken, Fühlen und Wollens und ihres Aufenthaltes.
Es gibt auch gefährliche Haie, die in Becken schwimmen, Goldfische im Glas und Vögel im Käfig. Was erfüllt sie und was mangelt ihnen ? Die lebensgemässen Bedingungen ? es gibt auch Gaukler und Narren, Gelehrte und Besserwisser, Positive und Negative, Geliebte und Geschmähte, Erfolgreiche und Verlierer, Verbesserer und Verschlechterer...
So können wir etwas mitteilen So oder So...immer sind da Kommunikatoren und Rezipienten, die So oder So sind, die Ja oder Nein sagen Und wieder sind wir auf dem So oder So beschaffenen Boden, dem Besäten, dem Umgepflügten, dem Vergandeten, dem Ignorierten, dem Gekauften, dem Erstarrten und sich Verwandelnden...Rezeption...Perzeption...Kognition.
Sagen wirs einfach, singen wir es, malen wirs, sprechen wirs aus, belächeln wirs, beachten wir es unvoreingenommen, nichtinstrumentalisiert, so wie uns der Schnabel gewachsen ist...

Gerda Tobler said...

Lieber Elias,
auch dir sei herzlich gedankt für den Reichtum deiner Gedanken.Ich bin nun ehrlich auch ganz hingerissen von deiner Schreibkunst und es überrascht mich nicht, dass du tief hinter dem wortreichen Haifischschlund auch ein frommes Lämmlein bist, das sehr gut weiss, wovon es bäht. Solltest du nun auch wahrhaft heldenhafte Tugenden haben, quasi in der Mitte zwischen Hai und Lamm, dann ist das gewiss ein grosses Glück für die Welt, die es zur Zeit so (un)bunt treibt.