Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

22 April 2009

when the world was woken


Andrea Corciulo in der Kunsthalle Arbon

Die Welt beginnt bei jeder Geburt neu und da wir dies nur einmal erleben, ist vielleicht ein wenig Misstrauen gegenüber der Kontiunität des Lebens angebracht. Die ersten Bilder sind noch spröde, Schwarz/Weiss, verschwommen. Während unseres Lebens erneuert sich die Welt dauernd und merklich; ästhetische Vorlieben, Moden, Bildsprachen sind stark veränderliche Konstanten, die uns erst in der Rückschau bewusst werden.

Wie sah die Welt zur Zeit meiner Geburt aus? war eine Frage, die Corciulo sich stellte, als er im letzten Jahr auf einen Film aus dem Jahre 1972 aufmerksam wurde. Er analysierte und recherchierte, nahm ein paar weiter Filme dazu und suchte sich die Zwischenteile, Kamerafahrten, Filmübergänge aus, schaute sie immer wieder durch, bis er die vermeintlich richtigen Stellen fand und diese – sozusagen von der Leinwand auf die Leinwand – malte und bannte.

Die so entstandene Bilderserie zeigt Andrea Corciulo nun in einer Ausstellung in der Kunsthalle Arbon. Der massive Industriebau verlangt eine exakte Planung und ist nicht einfach zu bespielen. Künstlerischen Bemühungen, die formal auf den Raum Bezug nahmen, zeigten nur selten überzeugende Ergebnisse. Corciulo ignoriert den Raum und füllt ihn, mit Work in Progress: die rohen, direkt an die Wand gehefteten Leinwände werden Fenster in andere Welten. Sie erzählen Geschichten und sind formale Andeutungen an überdimensionale Polaroids und Filmstreifen. Wir beginnen Corciulos Malerei in Sequenzen zu sehen und können den Ort loslassen und für einen Augenblick überlegen:

Wie war das mit der Welt, als ich erwachte? Wie sah ich meine Umgebung? Und gleichzeitig in die Bilder eintauchen, die auch Erinnerungsstücke aus unserer Medien- und Fernsehwirklichkeit sein können, die uns in unserer Kindheit begleitete. Der Maler verrät uns den Ursprung seiner Bilder nicht und lässt uns so im Vagen auf der Suche tappen. Tritt der Betrachter in den Raum ein, empfängt ihn ein Gestell mit Scheinwerfern, hinter dem ein Streifen Mehl den Raum teilt. Für einen Augenblick, stehen auch wir im Scheinwerferlicht, blinzeln in die Welt oder folgen den Spuren der Anderen.

Es sind diese Andeutungen, das Vage und Unausgesprochene, dass diese Ausstellung interessant macht. Wir können für einen Moment vergessen, was um uns ist und die Spur aufnehmen, die die Bilder legen. Wir werden zum Voyeur, so wie wir auch im Kino oder Fernsehen das Schicksal anderer Menschen verfolgen und durchsuchen unsere Erfahrungen nach Bilderlebnissen von damals, als unsere Welt erwachte.

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