Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

Panorama view of exhibition in Jedlitschka Gallery, Zurich.

14 October 2008

Lust am Wort

Endlich wieder einmal ein paar Worte aus der Ecke der Slam-Poeten: Es geht ab hier. Denn hier fragt sich niemand was Kunst ist. Hier wird einfach nur produziert. Weil man auch mal scheitern darf.
Poetry Slams und Slam-Shows finden inzwischen überall und oft auch auf Teufel komm raus statt. Wochenenden, an denen in der Schweiz zwei oder gar drei Slams parallel stattfinden, sind keine Seltenheit mehr und die Veranstaltungen sind in der Regel auch nach wie vor gut besucht. Ob am Salon du livre et de la presse in Genf, am Zürcher Sechseläuten, im Lokalradio und -fernsehen oder sogar am Open Air St.Gallen, überall wurde dieses Jahr geslammt und mit Worten jongliert.
CD’s werden aufgenommen; in der Ostschweiz gibt’s diesen Herbst und Winter gar drei wichtige Pressungen: NERV #15 erscheint mit den besten Aufnahmen der Grabenhallen-Slams, Renato Kaiser, zurzeit eindeutig einer der erfolgreichsten Slam-Poeten, tauft demnächst seine Solo-CD und der Verlag der gesunde Menschenversand bringt zusammen mit solarplexus eine Doppel-CD-Anthologie „10 Jahre Poetry Slam Schweiz“ heraus.
Geht also ganz schön ab und dabei darf man ruhig auch die Qualität in Fragen stellen, darum geht es ja bei einem Wettbewerb und oft ist ein Poetry Slam auch eine Probierbühne, Texte im Publikumsversuch halt. Was Poetry Slam aber sicherlich für sich in Anspruch nehmen kann, ist, dass Literaturlesungen wieder an Attraktivität gewonnen haben. Weil Slam vor allem Wert auf die Lust am gesprochenen Wort legt und nun langsam alle gemerkt haben, dass Vorlesen und Vortragen auch ein Teil der Kunst ist.

Der Höhepunkt der performativen Literatur des Jahres 2008 steht aber noch an: Denn im November, im November da brennt Züri. Vom 19. bis 22. November wird im Schiffbau um die Dichterkrone des deutschsprachigen Poetry Slam geslammt. Über vier Tage, mit 250 Slammern aus Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz wird in drei Disziplinen, über Vorrunden und Halbfinals und mit einem fetten Rahmenprogramm an insgesamt über 30 Veranstaltungen das gesprochene Wort zelebriert. Unbedingt reinschauen da. Die letzten Meisterschaften waren nämlich 2002 in der Schweiz, das passiert also nicht so schnell wieder, und die Stimmung an einem International-Slam muss man einfach mal erlebt haben. Der SLAM2008 ist das grosse Familientreffen der Szene, an dem es nicht um grosse Preise geht. Die Sieger erhalten ausser einem kleinen Pokal nämlich tätsächlich nichts. Es geht um Ruhm und Ehre und einfach nur die Lust am Wort, selbst bei der grössten Slam-Veranstaltung in Europa.

Mehr zum SLAM2008, den deutschsprachigen Meisterschaften unter www.slam2008.ch
Mehr zu Poetry Slam in der Schweiz unter www.poetryslam.ch

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